770 Sprüche — Seite 34
In der Natur begegnet dem Menschen eine Ordnung, die älter ist als jedes Denken und größer als jedes eigene Vorhaben. Berge, Wälder, Wasser und Himmel erinnern daran, dass Schönheit und Gesetz, Werden und Vergehen untrennbar zusammengehören. Deshalb berührt dieses Thema nicht nur die Sinne, sondern auch das Bewusstsein für Maß und Herkunft.
Ihre eigentliche Größe zeigt sich darin, dass sie sich nicht beherrschen lässt, sondern Achtung verlangt. Die Sprüche zu diesem Thema machen sichtbar, wie eng Mensch und Natur verbunden bleiben und warum in ihrer Betrachtung oft Demut, Trost und eine Ahnung vom Ganzen zugleich aufscheinen.
Lachende Kunigunde bringt frohe Kunde. (03. März)
Die Kraft der Natur steckt auch in dir.
Es kann nicht immer so bleiben, hier unter dem wechselnden Mond, es blüht eine Zeit und verwelket, was mit uns die Erde bewohnt.
— August von Kotzebue
Gibt's im Mai viel Regenwetter, wird auch das Getreide fetter.
Große Kälte am Antoniustag, manchmal nicht lange halten mag. (17. Jan.)
Die Kälte, die kommt angegangen, wenn bei Theobald die Tage langen. (16. Jan.)
Jede sprossende Pflanze, die mit Düften sich füllt, trägt im Kelche das ganze Weltgeheimnis verhüllt.
— Franz Emanuel August Geibel
Fährt der Bauer raus zum Jauchen, wird er nachts ein Deo brauchen
An Amalie Sonnenschein, bringt viel Korn und Weizen ein. (10. Jan.)
Dreikönigsabend hell und klar, verspricht ein gutes Erntejahr. (06. Jan.)
Sonne hat sich müd' gelaufen, spricht: »Nun lass ich's sein!« Geht zu Bett und schließt die Augen und schläft ruhig ein.
— Robert Reinick
Am Neujahrstag Sonnenschein, läßt das Jahr uns fruchtbar sein.
Reinigt die Bäurin den Bauern die Pfeife, schmeckt der Tabak so komisch nach Seife!
Das Huhn ist schlau und stellt sich dumm; beim Hahn, da ist es andersrum
Markarius das Wetter prophezeit für die ganze Erntezeit. (04. Jan.)
Nach St. Veit wendet sich die Zeit, alles geht auf die andere Seit'.
Die Heiligen Drei Könige kommen oder gehen im Wasser. (06. Jan.)
Wir haben auch Arbeit, und gar zu zweit, und haben die Sonne und Regen und Wind. Und uns fehlt nur eine Kleinigkeit, um so frei zu sein, wie die Vögel sind: nur Zeit.
— Richard Fedor Leopold Dehmel
St. Erhard mit der Hack', steckt die Feiertag' in den Sack. (08. Jan.)
St. Valentin nimmt die Feiertag hin. (07. Jan.)