770 Sprüche — Seite 30
In der Natur begegnet dem Menschen eine Ordnung, die älter ist als jedes Denken und größer als jedes eigene Vorhaben. Berge, Wälder, Wasser und Himmel erinnern daran, dass Schönheit und Gesetz, Werden und Vergehen untrennbar zusammengehören. Deshalb berührt dieses Thema nicht nur die Sinne, sondern auch das Bewusstsein für Maß und Herkunft.
Ihre eigentliche Größe zeigt sich darin, dass sie sich nicht beherrschen lässt, sondern Achtung verlangt. Die Sprüche zu diesem Thema machen sichtbar, wie eng Mensch und Natur verbunden bleiben und warum in ihrer Betrachtung oft Demut, Trost und eine Ahnung vom Ganzen zugleich aufscheinen.
Die Idee des Meeres ist in einem Wassertropfen vereint.
— Baruch de Spinoza
Menschenleben sind wie Blätter, die lautlos fallen. Man kann sie nicht aufhalten auf ihrem Weg.
Krankheiten überfallen den Menschen nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel, sondern sind die Folgen fortgesetzter Fehler wider die Natur.
— Hippokrates von Kós
Die Natur hat niemals das Herz verraten, das sie geliebt hat.
— William Wordsworth
Wenn der Knecht vom Dache pieselt, denkt der Bauer, dass es nieselt.
Freude heißt die starke Feder In der ewigen Natur. Freude, Freude treibt die Räder In der großen Weltenuhr.
— Friedrich von Schiller
Die Jahre drehn sich wie ein Rad - der Frühling bleibt nur eine kurze Weile.
Immer munter und frisch wie im Wasser der Fisch, wie im Kleefeld der Has, wie der Heuschreck im Gras, wie das Entlein im See, wie das Füchslein im Schnee, wie das Fröschlein am Bach, wie der Spatz …
Wo Frösche sind, da sind auch Störche.
Wer hat es den Läusen so bald gesagt?
Ich will dein Bett aus Rosen richten und tausend zarte Reime dazu dichten.
— Christopher Marlowe
An Romanus und Lupizinius die Sonne scheinen muss. (28. Feb.)
Der Vogel singt und fragt nicht, wer ihm lauscht. Die Quelle rinnt, und fragt nicht, wem sie rauscht. Die Blume blüht und fragt nicht, wer sie pflückt. O sorge, Freund, dass gleiches Tun dir glückt …
— Julius Sturm
Tiere und kleine Kinder sind der Spiegel der Natur.
— Epikur
Wenn Jakobi tagt, werden die jungen Störche aus dem Nest gejagt. (25. Juli)
Glücklich leben und naturgemäß leben ist eins
— Seneca
Freude heißt die starke Feder in der ewigen Natur
— Friedrich von Schiller
Ins Innere der Natur dringt kein erschaffner Geist.
— Albrecht von Haller
Manchen gelingt es, ein Idyll zu finden, und wenn er's nicht findet, so schafft er's sich.
— Theodor Fontane
Aus derselben Ackerkrume wächst das Unkraut wie die Blume und das Unkraut macht sich breit.
— Friedrich von Bodenstedt