770 Sprüche — Seite 33
In der Natur begegnet dem Menschen eine Ordnung, die älter ist als jedes Denken und größer als jedes eigene Vorhaben. Berge, Wälder, Wasser und Himmel erinnern daran, dass Schönheit und Gesetz, Werden und Vergehen untrennbar zusammengehören. Deshalb berührt dieses Thema nicht nur die Sinne, sondern auch das Bewusstsein für Maß und Herkunft.
Ihre eigentliche Größe zeigt sich darin, dass sie sich nicht beherrschen lässt, sondern Achtung verlangt. Die Sprüche zu diesem Thema machen sichtbar, wie eng Mensch und Natur verbunden bleiben und warum in ihrer Betrachtung oft Demut, Trost und eine Ahnung vom Ganzen zugleich aufscheinen.
Die kleinen Krebse und Fische sind die besten, wenn man große nicht haben kann.
Die Größe und unendliche Weisheit des Schöpfers wird nur derjenige wirklich erkennen, der sich bestrebt, aus dem gewaltigen Buche, das wir Natur nennen, seine Gedanken herauszulesen
— Justus Freiherr von Liebig
Die Liebe ist der Stoff der Natur, den die Vorstellungskraft gewoben hat.
— Georges-Louis Leclerc de Buffon
Er sitzt wie eine Laus zwischen zwei Nägeln.
Wer freit Nachbars Kind, der weiss, was er find.
Wie hoch auch ein Vogel fliegen mag, seine Nahrung sucht er auf der Erde.
Einen Regenbogen, der eine Viertelstunde steht, sieht man nicht mehr.
— Johann Wolfgang von Goethe
So wie Martin es will, zeigt sich dann der ganze April. (13. April)
Mit tiefer Ehrfurcht schau' ich die Schöpfung an, denn du, Namenloser, du schufest sie!
— Friedrich Gottlieb Klopstock
Gewitter am St. Georgstag, ein kühles Jahr bedeuten mag. (23. April)
Sieh das Lindenblatt, du wirst es wie ein Herz gestaltet finden. Drum sitzen die Verliebten am liebsten unter Linden.
— Christian Johann Heinrich Heine
Die Gesetze der Natur sind wunderbar, aber ihr Räderwerk zermalmt viele Insekten wie die Regierungen viele Menschen.
— Antoine de Rivarol
An Mariä Namen kommen die Schwalben zusammen.
Schraubt der Knecht am Traktor hin und her, gibt es bald wohl keinen Bauern mehr
Die Kälte, die kommt angegangen, wenn bei Theobald die Tage langen. (16. Jan.)
Es kann nicht immer so bleiben, hier unter dem wechselnden Mond, es blüht eine Zeit und verwelket, was mit uns die Erde bewohnt.
— August von Kotzebue
Gibt's im Mai viel Regenwetter, wird auch das Getreide fetter.
Große Kälte am Antoniustag, manchmal nicht lange halten mag. (17. Jan.)
Fährt der Bauer raus zum Jauchen, wird er nachts ein Deo brauchen
An Amalie Sonnenschein, bringt viel Korn und Weizen ein. (10. Jan.)