1598 Sprüche — Seite 35
Zwischen Geburt und Abschied entfaltet sich das Leben als ein Weg voller Aufbruch, Umwege, Verluste und kostbarer Augenblicke. Kaum etwas beschäftigt den Menschen so sehr, weil in ihm alles zusammenkommt, was trägt, verwundet, reifen lässt und Erinnerung schafft. Gerade darin liegt seine unerschöpfliche Tiefe.
Nicht im Spektakulären allein, sondern oft im gelebten Alltag zeigt sich, was ein Dasein wertvoll macht. Die Sprüche zu diesem Thema verdichten Erfahrungen, Fragen und Einsichten zu einer Sprache, die Orientierung gibt und zugleich daran erinnert, wie flüchtig, ernst und wunderbar menschliches Leben sein kann.
Die Wahrheit sinkt mitunter nieder, aber verliert doch nie den Atem.
Das eine Ziel schwer, das andere leicht, was einzig zählt, ist, was du erreichst.
Das Auge der Frau macht die Zimmer rein.
Genuss ist der Beginn und das Ende eines gesegneten Lebens.
— Epikur
Wenn man einmal sechzig ist, dann soll man sich verschnaufen, auch wenn man größter Optimist, man kann nicht alles mehr sich kaufen. Was man einstens nicht konnt’ wissen, lässt einem heute keine Ruh …
Vom Geizhals und vom Schwein hat man erst nach ihrem Tode Nutzen.
Das Leben besteht im wesentlichen aus Glauben und Geduld. Wer diese besitzt, kommt zu einem herrlichen Ziel.
— Rudolf von Tavel
Alles in die Pfanne hauen ist leichter als Pfannkuchen backen.
Arbeit, die Freude macht, ist schon zur Hälfte fertig.
In Wahrheit spiegelt die Kunst den Zuschauer, nicht das Leben.
— Oscar Wilde
Die Liebe ist wie Sonnenschein und gleichet einer Flamme. Doch Treue muss die Wurzel sein an solchem Lebensstamme.
Lebe von der Welt geschieden, und du lebst mit ihr in Frieden. Willst du dich mit ihr befassen, höre, was dir widerfährt: Du musst lieben oder hassen; keines ist der Mühe wert.
— Friedrich Rückert
Das ist's, warum's sich leben läßt trotz alledem auf dieser Erden: Die ganze Welt ist nur ein Nest, doch jedes Nest kann eine Welt Dir werden.
— Paul Johann Ludwig von Heyse
Des Lebens große Stürme, wenn sie vorüber sind, so mögen sie dir scheinen, sie wären leichter Wind.
Auch ein gutes Pferd stolpert einmal
Kein Weiser, glaube mir, spricht: "Morgen will ich leben." Der Morgen ist zu spät; heut ziemt sich's anzuheben.
— Martin Opitz
Feinden verzeihen, heißt nicht kleinmütig sein, sondern eine starke Seele besitzen.
Scheint dir auch mal das Leben rauh, sei still und zage nicht: die Zeit, die alte Bügelfrau, macht alles wieder schlicht.
— Wilhelm Busch
Das Leben in der Natur gibt die Wahrheit der Dinge zu erkennen.
— Albrecht Dürer
Mit einem Beinahe darf man sich nie zufriedengeben