Sprüche über Tiere
1063 Sprüche — Seite 11
Im Blick auf Tiere erkennt der Mensch oft mehr über sich selbst, als ihm bewusst ist. Ihre Treue, Wildheit, Anmut oder Unabhängigkeit haben seit jeher Bilder hervorgebracht, in denen Bewunderung, Zärtlichkeit und leise Selbstkritik miteinander verbunden sind. Deshalb reicht dieses Thema weit über bloße Naturbeobachtung hinaus.
Als Sinnbilder für Instinkt, Freiheit oder Lauterkeit entfalten Tiere eine besondere sprachliche Kraft. Die Sprüche zu diesem Thema lassen sie als Begleiter, Gegenbilder und Spiegel des Menschen erscheinen und zeigen, warum in ihnen so oft das Ursprüngliche sichtbar wird, das der Zivilisation verloren gegangen ist.
Auch gut, hat der Bauer gesagt, da hatt' er einen Floh gefangen. Er war aber auf den Läusefang aus.
Das freie Schaf frisst den Wolf.
Die Frösche sind allweg des Storchen Speise.
Die Frösche tun sich selber Schaden, wenn sie den Storch zu Hause laden.
Der Frosch lässt das Quaken nicht.
Die Frösche gehen dem Bache zu, legt man sie schon an Ketten.
Setz einen Frosch auf goldnen Stuhl, er hüpft doch wieder in den Pfuhl.
Man tritt den Frosch so lange, dass er pfeift.
Ein Frosch kann nicht singen wie eine Nachtigall.
Was ein Frosch werden will, muss erst ein Kühleskopp gewesen sein.
Er kann nichts dazu, dass die Frösche keine Schwänze haben.
Stirbt der Fuchs, so gilt der Balg.
Alter Fuchs kommt nicht ins Garn.
Der Fuchs geht nicht zum zweitenmal ins Garn.
Wenn der Fuchs Gänse fangen will, so wedelt er mit dem Schwanze.
Wenn der Fuchs predigt, so hüte der Gänse.
Der Fuchs ändert den Pelz und behält den Schalk.
Der Fuchs verkehrt wohl seine Haut, aber nicht sein Gemüt.
Schlafender Fuchs fängt kein Huhn.
Man schickt Füchse aus, um Füchse zu fangen.
Alle listigen Füchse kommen endlich beim Kürschner in der Beize zusammen.
Wenn man den Fuchs nicht beißen will, so kann man keinen Hund finden.
Es flog ein Gänslein über's Meer und kam ein Gickgack wieder her.
Wer kann allen Gänsen Schuh machen?
Die weiße Gans brütet gut.
Die Gans geht so lange zur Küche, bis sie am Spieß stecken bleibt.
Jede Gans hat ihren Kopf.
Wo Gänse sind, da ist Geschnatter, und wo Frauen, da sind viel Mären.
Die Gänse gehen überall barfuß.
Mit den Gänsen sollen wir trinken, aber nicht essen.
Wenn man die Gans zum Ganter setzt, so bleibt der Ganter der Mann, der es sein soll.
Er hält's mit den kurzen Gänsefedern.
Es ist nicht der Gänse wegen.
Ein guter Gaul zieht dreimal.
Mit bösen Gäulen bricht man das Eis.
Groß und faul ist auch ein Gaul.
Man reitet den Gaul erst, wenn man ihn hat.
Wenn ein alter Gaul in Gang kommt, so ist er nicht mehr zu halten.
Wenn die alten Gäule gehend werden, so ist kein halten.
Blinder Gaul geht grade zu.
Du suchst den Gaul und reitest drauf.
Wer die Geiß angenommen hat, muss sie hüten.
Die Geiß soll weiden, wo sie angebunden ist.
Der Hahn ist König auf seinem Miste.
Ein guter Hahn kräht auch zweimal.
Wenn die Henne nicht scharrt wie der Hahn, kann der Haushalt nicht bestahn.
Keine Henne fliegt über die Mauer.
Viele kriegen um das Ei und lassen die Henne fliegen.
Ist die Henne mein, so gehören mir auch die Eier.
Hat die Henne ein Ei gelegt, so gackert sie.
Was von der Henne kommt, das gackert.
Üble Henne, die in Nachbarshäuser legt.
Es legt wohl auch eine kluge Henne in die Nesseln.
Eine Henne hat das Recht über neun Zäune.
Fette Hennen legen nicht.
Keine teurere Henne als die geschenkte.
Man muss die Henne rupfen, ohne dass sie schreit.
Trittst du mein Huhn, so wirst du mein Hahn.
Hühner und Hahnen bleiben Gespanen.
Es ist kein Hühnchen noch so klein, übers Jahr will's eine Henne sein.