Sprüche über Tiere
1063 Sprüche — Seite 10
Im Blick auf Tiere erkennt der Mensch oft mehr über sich selbst, als ihm bewusst ist. Ihre Treue, Wildheit, Anmut oder Unabhängigkeit haben seit jeher Bilder hervorgebracht, in denen Bewunderung, Zärtlichkeit und leise Selbstkritik miteinander verbunden sind. Deshalb reicht dieses Thema weit über bloße Naturbeobachtung hinaus.
Als Sinnbilder für Instinkt, Freiheit oder Lauterkeit entfalten Tiere eine besondere sprachliche Kraft. Die Sprüche zu diesem Thema lassen sie als Begleiter, Gegenbilder und Spiegel des Menschen erscheinen und zeigen, warum in ihnen so oft das Ursprüngliche sichtbar wird, das der Zivilisation verloren gegangen ist.
Ein alter Adler ist stärker als eine junge Krähe.
Affen und Pfaffen lassen sich nicht strafen.
Affen fängt man mit großen Bundschuhen.
Lieber Aff, sieh erst auf dich, dann lobe oder schelte mich.
Es ist besser, einen Bären loslassen als einen Bären anbinden.
Je älter der Bock, je härter das Horn.
Ich hatte mich drauf verlassen wie der Bock auf die Hörner.
Die Welt lohnt wie der Bock, wenn er Hörner kriegt.
Er setzt den Bock auf die Haberkiste.
Ein grindiger Bock ist einer goldenen Ziege wert.
Ein Bock zeigt den andern an.
Barbati praecedant, sagte Magister Fuchs, da stiess er einen Bock die Treppe hinunter.
Er ziert die Gesellschaft wie der Bock den Marstall.
Dicke Brocken geben fette Vögel.
Der Fisch ist gern im Wasser, der Vogel in der Luft, das brave Weib daheim.
Die Eule trägt ihr Recht auf dem Buckel.
Ich rede von Enten, und du antwortest mir von Gänsen.
Wo man den Esel krönt, da ist Stadt und Land gehöhnt.
Den Esel erkennt man bei den Ohren, am Angesicht den Mohren und bei den Worten den Toren.
Man kann einem Esel wohl den Schwanz verbergen, aber die Ohren lässt er vorgucken.
Man ruft den Esel nicht zu Hofe, denn dass er Säcke trage.
Wer sich zum Esel macht, der muss Säcke tragen.
Viel Säcke sind des Esels Tod.
Wenn der Esel in die Mühle kommt, so sagt er i-ah.
Besser Esel treiben als selber Säcke tragen.
Wenn der Esel nicht will, so muss er.
Der Esel und sein Treiber denken nicht überein.
Den Esel führt man nur einmal aufs Eis.
Wo sich der Esel einmal stößt, da nimmt er sich in acht.
Ein Esel bleibt ein Esel - käm er auch nach Rom.
Wenn zwei Esel einander unterrichten,wird keiner ein Doktor.
Vom Esel kann man nicht Wolle fordern.
Wo sich der Esel wälzt, da muss er Haare lassen.
Er kommt vom Pferd auf den Esel.
Der Esel hat lieber Stroh denn Gold.
Der Esel trägt das Korn in die Mühle und bekommt Disteln.
Eselsarbeit und Zeisigsfutter ist des Überdrusses Mutter.
Es geht ihm wie dem Esel, der zwei Brüdern diente: Jedweder meinte, er sei beim andern gefüttert worden.
Ein Esel sollte immer auf der Weide sein, denn wo er frißt, da wächst es, wo er sch-, da düngt er's, wo er seicht, da wässert er's und wo er sich wälzt, da zerbricht er die Schollen.
Er sucht den Esel und sitzt drauf.
Wo Eulen und Kauze einander gute Nacht sagen.
Es ist keine Eule, die nicht schwüre, sie hätte die schönsten Jungen.
Spotte nicht mit der Eule, das ist auch ein Vogel.
Wenn das Ferkel träumt, so ist's von Trebern.
Ferkel sind Ferkel, und zieht man ihm eine Chorkapp an, legt es sich doch in den Dreck.
Wenn das Ferkel satt ist, stößt es den Trog um.
Gesottenem Fisch hilft das Wasser nichts.
Der Fisch will dreimal schwimmen: Im Wasser, im Schmalz und im Wein.
Große Fische fressen die kleinen.
Von kleinen Fischen werden die Hechte groß.
Wer Fische fangen will, muss vorher die Netze flicken.
Wenn man's am wenigsten denkt, liegt ein Fisch in den Reusen.
In solchen Wassern fängt man solche Fische.
Hier stehn wir Fische, sagt der Stichling zur Schnecke.
Was Fliegen lockt, das lockt auch Freunde.
Mit e i n e m Tropfen Honig fängt man mehr Fliegen als mit einem Oxhoft Essig.
Je fetter der Floh, je magerer der Hund.
Man sieht die Flöhe besser auf einem weißen Tuche als auf einem schwarzen.
Leichter eine Wanne Flöhe hüten als eines Weibes.
Er hört die Flöhe husten.