Sprüche über Vergänglichkeit
474 Sprüche — Seite 3
Alles, was den Menschen umgibt und bewegt, trägt den Zug des Vorübergehenden in sich. Schönheit vergeht, Nähe verändert sich, Stunden entschwinden, und gerade in dieser Endlichkeit erhält das Leben seine Schärfe und seinen Ernst. Deshalb gehört Vergänglichkeit zu den stillen Grundthemen jeder tiefen Lebensbetrachtung.
Aus ihr erwächst nicht nur Wehmut, sondern auch ein besonderer Sinn für Gegenwart und Wertschätzung. Die Sprüche zu diesem Thema zeigen, wie eng Verlust und Erkenntnis verbunden sind und warum das Bewusstsein des Endlichen viele Dinge nicht kleiner, sondern kostbarer erscheinen lässt.
Sobald eine Mode allgemein geworden ist, hat sie sich überlebt.
— Marie von Ebner-Eschenbach
Mit den ersten Bäumen, die gefällt werden, beginnt die Kultur. Mit den letzten Bäumen, die gefällt werden, endet sie.
Hast du Glück in der Faust, so halte sie fest zu, denn es ist sehr schlüpfrig und lässt sich nicht gern wider Willen halten.
— Julius Wilhelm Zincgref
Schon manche Liebe ging zugrunde an ihrer Heftigkeit; an ihrer Innigkeit noch keine.
— Otto Weiss
Es gibt keine alte und moderne Literatur, sondern nur eine ewige und eine vergängliche.
— Ernst von Feuchtersleben
Trennung läßt matte Leidenschaften verkümmern und starke wachsen, wie der Wind die Kerze verlöscht und das Feuer entzündet.
— François de la Rochefoucauld
Was auch das Meer verschlang, die Zeit verschlang das Weh, ewig bleibt die See.
— Gorch Fock
Wer die Kapitalisten vernichten will, muss ihre Währung zerstören.
— Wladimir Iljitsch Lenin
Ehen und Weine werden mit den Jahren sauer
— Victor-Marie Hugo
Das Gedächtnis nimmt ab, wenn man es nicht übt.
— Marcus Tullius Cicero
Wie vergänglich ist doch der Mensch auf dieser Erde, ein Baum überdauert ihn, eine Steinstufe wird hundertmal älter, als der Menschenfuß, der sie tritt.
— Paul Keller
Die Idee ist eine Seifenblase: ein Sandkorn Wahrheit läßt sie platzen.
— Carl Ludwig Schleich
Was ist das Leben? Es leuchtet auf wie ein Glühwürmchen in der Nacht. Es vergeht wie der Hauch des Büffels im Winter. Es ist wie der kurze Schatten, der über das Gras huscht und sich im Sonnenunte …
Jung sein ist Glück und vergeht wie Dunst, jung bleiben ist mehr und ist eine Kunst.
— Friedrich Vischer
Der Duft der Blumen ist weit süßer in der Luft als in der Hand
— Francis Bacon
Die Liebe ist Sehnsucht, und gestillte Sehnsucht vergeht.
— Hans Christian Andersen
O lieb, solang du lieben kannst. O lieb, solang du lieben magst! Die Stunde kommt, die Stunde kommt, wo du an Gräbern stehst und klagst. Und sorge, dass dein Herze glüht und Liebe hegt und Liebe …
— Hermann Ferdinand Freiligrath
Sei immer froh gestimmt und munter, und lass der Sonne ihren Lauf, am Abend geht sie eben unter, am Morgen jedoch wieder auf.
Tapferkeit ist ein Anfall, der bei den meisten Menschen schnell vorübergeht.
— Mark Twain
Wo Liebe wächst, gedeiht Leben - wo Haß aufkommt droht Untergang.
— Mahatma Gandhi
Unsere Zeit vergeht geschwind, nimm die Stunden, wie sie sind. Sind sie bös, lass sie vorüber, sind sie gut, dann freu dich drüber.
Nichts ist verführerischer und gleichzeitig trügerischer als Reichtum. Er lässt sich gleich schwer erwerben, erhalten, nutzen und verlieren.
Die Zeit kommt aus der Zukunft, die nicht existiert, in die Gegenwart, die keine Dauer hat, und geht in die Vergangenheit, die aufgehört hat zu bestehen.
— Augustinus
Das Verlassen des Mutterschoßes ist der Eintritt in tausend Tode
— Johannes Calvin
Oft merkt man erst, wie viel Glück man hatte, wenn das Glück auf einmal nicht mehr da ist.
Schaffen Sie sich eine neue, starkmütige Anschauung von Treue. Was die Menschen sonst Treue nennen, verweht so schnell.
— Rudolf Steiner
Der Tod ist das Pünktchen auf der letzten Phase unseres Lebens; der Deckel auf dem Topf, in dem es sonst so kochte und brauste
— Graf Karl Christian Ernst von Bentzel-Sternau
Was fängt man mit den zu Tode geredeten Worten an? Es bleibt wohl nur eines: Immer einfacher zu sprechen, denn die Einfachheit widersteht der Zerstörung
— Romano Guardini
Das Leben ist eine Flamme, die sich selbst verzehrt; aber sie fängt jedes Mal wieder Feuer, sobald ein Kind geboren wird.
Die Erde kann vergehen, die Sonne kann erblassen, doch wahre Freundschaft soll uns nie verlassen.
Denke in schönen Stunden nie an ihre Vergänglichkeit, dazu sind die schlechten da
Die Armut liesse sich rasch beseitigen, wenn sich die Wohlhabenden dadurch bereichern könnten.
— Emanuel Wertheimer
Das Heisse ist vergessen, hat es erst einmal die Kehle passiert.
Wegen eines Frauenlächelns wurden schon ganze Konzerne zugrunde gerichtet
— Andrew Carnegie
Jeder übermütige Sieger arbeitet an seinem Untergang.
— Jean de La Fontaine
Du kannst dein Leben nicht verlängern, noch verbreitern, nur vertiefen.
— Gorch Fock
Denk ich an dich und du an mich, vergessen wir uns beide nicht.
Vergossenes Wasser lässt sich nicht zurückholen.
Auch Götter sterben, wenn niemand mehr an sie glaubt.
— Jean-Paul Sartre
Im Leben ist's wie am Himmel. Eben dadurch, dass Sternbilder auf der einen Seite runter sinken, müssen neue auf der anderen herauf.
— Jean Paul
Diese Welt ist nur eine Brücke. Gehe darüber, aber baue dein Haus nicht darauf.
Die ganze gegenwärtige Zeit ist ein Punkt der Ewigkeit.
— Mark Aurel
Jede Stunde, die wir leben, ist eine Sterbestunde für irgendwen.
— Anton Wildgans
Kein größerer Schmerz, als sich erinnern glücklich heiterer Zeit im Unglück
— Dante Alighieri
Die stürmischen Wellen an der unruhigen Oberfläche lassen die Tiefen des Ozeans unberührt. Und dem, der an größeren und ewigeren Wirklichkeiten Halt findet, erscheinen die häufigen Wechselfälle sein …
— William James
Eine Frau ohne Rivalin altert schnell.
— Charles Baudelaire
Ein jedes Werk, das nicht auf Liebe gegründet ist, trägt den Keim des Todes in sich und geht seinem Ruin entgegen.
— Johann Heinrich Pestalozzi
Es gibt zwei schöne Dinge auf der Welt: Erinnern und Vergessen. Und zwei häßliche: Erinnern und Vergessen.
— Alexander Roda Roda
Frühere Zeiten hält man immer für die besseren.
— Achim von Arnim
Wer das Leben geniessen will, soll sich immer vor Augen halten: Geboren werden bedeutet nur zu Sterben beginnen.
— Théophile Gautier
Der Natur zugefügte Verletzungen in Geldwert zu messen verleitet zur Denkweise Unwiederbringliches kaufen zu können.
— Else Pannek
Alles Wachsen ist ein Sterben, jedes Werden ein Vergehen. Alles Lassen ein Erleben, jeder Tod ein Auferstehn.
Geldgier zieht Vernichtung nach sich.
— Else Pannek
Die Liebe ist ein Kind der Ewigkeit. Sie verwischt die Erinnerung an den Anfang und nimmt die Angst vor dem Ende.
— Germaine Madame de Stael
Glück ist eine gute Gesundheit und ein schlechtes Gedächtnis
— Albert Schweitzer
Freunde gibt's genug, aber sie sind wie die Sonnenuhr, die solange ihren Dienst versieht, wie die goldene Sonne zu scheinen pflegt. Sobald aber die Sonne untergeht, ist auch bei ihr alles aus.
— Abraham a Sancta Clara
Wer von allen weiß, wie lange Kindheit dauert? Bei manchen Wesen ist sie früh verloren; bei manchen dauert sie das ganze Leben.
— Paul Keller
Das Gestern ist fort, das Morgen nicht da. Leb' also heute!
— Pythagoras
Nichts trocknet schneller als eine Träne
— Apollonius von Rhodos
Was für ein Ende soll die Ausbeutung der Erde in all den künftigen Jahrhunderten noch finden? Bis wohin soll unsere Habgier noch vordringen?
— Plinius d. Ältere