Sprüche über Vergänglichkeit
474 Sprüche — Seite 4
Alles, was den Menschen umgibt und bewegt, trägt den Zug des Vorübergehenden in sich. Schönheit vergeht, Nähe verändert sich, Stunden entschwinden, und gerade in dieser Endlichkeit erhält das Leben seine Schärfe und seinen Ernst. Deshalb gehört Vergänglichkeit zu den stillen Grundthemen jeder tiefen Lebensbetrachtung.
Aus ihr erwächst nicht nur Wehmut, sondern auch ein besonderer Sinn für Gegenwart und Wertschätzung. Die Sprüche zu diesem Thema zeigen, wie eng Verlust und Erkenntnis verbunden sind und warum das Bewusstsein des Endlichen viele Dinge nicht kleiner, sondern kostbarer erscheinen lässt.
Die Liebe ist ein Kind der Ewigkeit. Sie verwischt die Erinnerung an den Anfang und nimmt die Angst vor dem Ende.
— Germaine Madame de Stael
Nichts trocknet schneller als eine Träne
— Apollonius von Rhodos
Das Leben ist kurz, aber man hat immer Zeit für Höflichkeit
— Ralph Waldo Emerson
Über das Kommen mancher Leute tröstet uns oft nichts als die Hoffnung auf ihr Gehen.
— Marie von Ebner-Eschenbach
Das Glück ist kein Geschenk - nur ein Darlehen
— Theodor Fontane
Auch der schönste Weg endet irgendwo. Deswegen sollte man rechtzeitig einen anderen suchen.
Wenn Teufel beten und Engel fluchen, wenn Katz und Mäuse sich besuchen, wenn alle Mädchen keusch und rein, dann hör ich auf, dein Freund zu sein!
Wer die Freundschaft brechen kann, fing sie nie von Herzen an. Der wird fälschlich Freund genennt, der sich von dem Freunde trennt.
— Friedrich von Logau
Der Sommer, der vergeht, ist wie ein Freund, der uns Lebewohl sagt.
— Victor-Marie Hugo
Jeder Augenblick im Leben ist ein Schritt zum Tode hin.
— Pierre Corneille
Nimm die Zunge wohl in acht, sprich kein Wort, das unbedacht, denn ein Wort, zu schnell gesprochen, hat schon manches Glück zerbrochen.
Ein reifer Apfel hängt nicht lang überm Weg
Das Glück ist verschwenderisch aber unbeständig.
— Demokrit
Im Westen hat man Christus verloren, und deshalb kommt der Westen zu Fall, einzig und allein deshalb.
— Fjodor M. Dostojewski
Die Schönheit ist wie eine Blume: heut vor dem Busen, morgen vor dem Besen.
— Abraham a Sancta Clara
Wenn etwas nützlich wird, hört es auf schön zu sein.
— Théophile Gautier
Große Dinge zerfallen in kleine. Kleine zerbröseln in Staub.
Wenn die Freude in der Stube ist, lauert die Sorge im Flur.
Das Leben ist halb vorüber, ehe wir wissen, was es ist.
Die Zeit vergeht und wartet auf niemanden.
Denn wir sind nur die Schale und das Blatt. Der große Tod, den jeder in sich hat, das ist die Frucht, um die sich alles dreht.
— Rainer Maria Rilke
Das große Karthago führte drei Kriege. Nach dem ersten war es noch mächtig. Nach dem zweiten war es noch bewohnbar. Nach dem dritten war es nicht mehr zu finden.
— Bertolt Brecht
Das Talent des Menschen, sich einen Lebensraum zu schaffen, wird nur durch sein Talent übertroffen, ihn zu zerstören.
— Theodor Heuss
Mit dem Hunger nach der Unendlichkeit wird der Mensch geboren; er spürt ihn früh; aber wenn er in die Jahre des Verstandes kommt, erstickt er ihn meistens leicht und schnell.
— Wilhelm Raabe
Gerechtigkeit ist vorübergehend, aber das Gewissen ist ewig.
— Martin Luther
Wir müssen nicht klagen, dass alles vergänglich sei. Das Vergänglichste, wenn es wahrhaft berührt, weckt in uns ein Unvergängliches.
— Christian Friedrich Hebbel
Es gibt Augenblicke, in denen gelingt uns alles. Kein Grund zu erschrecken: Das geht vorüber.
— Jules Renard
Wir sind Gäste des Daseins, Reisende zwischen zwei Stationen. Wir müssen unsere Sicherheit in uns selbst suchen.
— Boris Pasternak
Was hinter uns liegt und was vor uns liegt, ist relativ unbedeutend, verglichen mit dem, was in uns liegt.
— Oliver Wendell Holmes
Der Gedanke an die Vergänglichkeit aller irdischen Dinge ist ein Quell unendlichen Leids – und ein Quell unendlichen Trostes.
— Marie von Ebner-Eschenbach
Es gibt ein allgemein gültiges Gesetz, das Entstehen und Vergehen befiehlt.
— Publius Syrus
Unser Neid dauert stets länger als das Glück derer, die wir beneiden
— François de la Rochefoucauld
Es wär´ so schön gewesen, es hat nicht sollen sein
— Joseph Victor von Scheffel
Hassen ist ein positiver Lebensstrom: das Verlangen nach Vernichtung, Angriff, der vom Kern ausgeht.
— Oswald Spengler
Häuslichkeit ist der Schutzengel des Ehe und Familienstandes, Zerstreuung aber die Todfeindin, daher auch Häuslichkeit, Ehe und Familienglück immer seltener werden.
— Karl Julius Weber
Gute Vorsätze sind grüne Früchte, die abfallen, ehe sie reif sind.
— Johann Nepomuk Nestroy
Das Alter will die Menschen vom Leben entwöhnen wie die Amme das Kind von der Brust: Durch allmähliches Entziehen.
— Christian Friedrich Wilhelm Jacobs
Wir sterben des Todes und sind wie Wasser, das auf die Erde gegossen wird und das nicht wieder gesammelt werden kann; aber Gott will nicht das Leben wegnehmen.
Nie stille steht die Zeit, der Augenblick entschwebt, und den du nicht benutzt, den hast du nicht gelebt
— Friedrich Rückert
Jeden Morgen sich ins Sterben hineindenken, das lehrt uns, den neuen Tag richtig schätzen - nicht zu gering, weil er ein köstliches Geschenk ist; nicht zu hoch, weil er heute noch vergeht.
— Peter Rosegger
Es geht ewig zu Ende, und im Ende keimt ewig der Anfang
— Peter Rosegger
Willst du dich in dem Glück nicht ausgelassen freun, im Unglück nicht unmäßig kränken, so lern so klug wie Eulenspiegel sein: im Unglück gern ans Glück, im Glück ans Unglück denken.
— Christian Fürchtegott Gellert
Wir wundern uns nie über den Sonnenaufgang einer Freude, sondern über den Sonnenuntergang derselben.
— Jean Paul
Wer die Freundschaft und die Liebe nie gesucht mit heißem Triebe, ist ein zehnmal ärmerer Tor als wie der, der sie verlor.
Die Zeit schwindet dahin, und wir altern durch unmerkliche Jahre, und die Tage fliehen, da keine Zügel ihnen Einhalt gebieten.
— Ovid
Ein Traum, ein Traum ist unser Leben auf Erden hier. Wie Schatten auf den Wogen schweben und schwinden wir. Und messen unsere trägen Tritte nach Raum und Zeit, und sind (und wissen's nicht) in Mitt …
— Johann Gottfried Herder
Gemüt ist mehr als Geist, denn das Gemüt besteht als Wurzel, wenn der Geist wie Blütenstaub vergeht.
— Friedrich Rückert
Aufschub einer guten Tat Hat schon oft gereut! Hurtig leben ist mein Rat. Flüchtig ist die Zeit!
— Johann Wilhelm Ludwig Gleim
Worte sind die einzigen Dinge, die nie vergehen.
— William Hazlitt
Der Mittelpunkt alles Menschenverderbens ist Verhärtung des Herzens.
— Johann Heinrich Pestalozzi
Viele möchten leben, ohne zu altern. Und sie altern dabei, ohne zu leben.
So genannte Jahrhundertwerke schafft der Zahn der Zeit in ein paar Jahren.
— Else Pannek
Wir alle gehen ins Tal hinab, in welchem Alter wir auch stehen, denn die Zeit hält keinen Augenblick still
— Charles John Huffam Dickens
Wenn der Mensch aufhört zu träumen, sich vom Universum abwendet, ihm den Rücken kehrt, wird die Geschichte der Menschheit enden.
— Thomas Edward Lawrence
Eine unglückliche Liebe gleicht dem hohen Fieber, das nicht lange zu währen pflegt. Eine glückliche Liebe dagegen ist ein entzückender und andauernder Traum.
— Charles Joseph Fürst von Ligne
Nur das Sommergras ist noch da von den Träumen früherer Helden.
— Matsuo Bashō
Das Leben ist wie ein geschicktes Zahnausziehen: Man denkt immer, das Eigentliche solle erst kommen, bis man plötzlich sieht, dass alles vorbei ist.
— Otto von Bismarck
Alles was gegen die Natur ist, hat auf Dauer keinen Bestand
— Charles Robert Darwin
Wir loben die gute alte Zeit, leben aber gern in er Gegenwart
— Horaz
Fasse deinen Mut zusammen! Es ist kein Elend in der Welt von beständiger Dauer.
— Adolph Freiherr von Knigge