Sprüche über Vergänglichkeit
474 Sprüche — Seite 8
Alles, was den Menschen umgibt und bewegt, trägt den Zug des Vorübergehenden in sich. Schönheit vergeht, Nähe verändert sich, Stunden entschwinden, und gerade in dieser Endlichkeit erhält das Leben seine Schärfe und seinen Ernst. Deshalb gehört Vergänglichkeit zu den stillen Grundthemen jeder tiefen Lebensbetrachtung.
Aus ihr erwächst nicht nur Wehmut, sondern auch ein besonderer Sinn für Gegenwart und Wertschätzung. Die Sprüche zu diesem Thema zeigen, wie eng Verlust und Erkenntnis verbunden sind und warum das Bewusstsein des Endlichen viele Dinge nicht kleiner, sondern kostbarer erscheinen lässt.
Und darein, woraus die Dinge entstehen, vergehen sie auch wieder, wie es bestimmt ist.
— Antiphon
Die Zeit ist nur ein Wort oder ein Maß, aber kein reales Wesen.
— Antiphon
Doch wie einen Zug im Brettspiel das Leben zu wiederholen das gibt es nicht.
— Antiphon
Das Leben ist zu kurz für eine große Geschichte.
— Mary Wortley Montagu
Selbst Kleider aus guten Perioden des Lebens sollten nicht verwahrt werden, denn man soll in altes Glück nicht zurück kriechen. Es ist somit Kraftvergeudung, alte Kleider zu tragen, sich mit seinen ei …
— Prentice Mulford
Ungeduld treibt entweder das Gewünschte fort oder verzögert zumindest sein Kommen.
— Prentice Mulford
Es gibt Tausende von Dingen, Ereignissen, Szenen in jedem, auch dem glücklichsten Leben, die viel besser vergessen wären; am meisten wohl die „glücklichen Erinnerungen“ - weil auch Glück ranzig wird.
— Prentice Mulford
Keine Wunde ist in mir so vernarbt, dass ich sie ganz vergessen könnte
— Francesco Petrarca
Alles besiegt und raubt die geizende Zeit, den Ruhm auch, und schafft uns ein zweites Sterben.
— Francesco Petrarca
Ein ganz klein wenig Süßes kann viel Bitteres verschwinden lassen
— Francesco Petrarca
Das Leben eilt dahin, und auch nicht eine kurze Zeit lässt es sich halten.
— Francesco Petrarca
Und wenn schon in keinem Lebensalter irgend etwas von langer Dauer ist, so ist im Alter alles auf das kürzeste befristet.
— Francesco Petrarca
Alle Lust der Welt ist ein kurzer Traum nur!
— Francesco Petrarca
Jeder Schritt im Leben ist ein Schritt dem Tode entgegen.
— Casimir Delavigne
Das Wissen kommt und geht, die Weisheit bleibt.
— Alfred Lord Tennyson
Küsse vergehen, Kochkunst bleibt bestehen
— George Meredith
Das Glück liegt im Wünschen. Erfüllung ist zugleich Zerstörung.
— Herbert Spencer
Mit dem Menschen ist es wie mit dem Baum: er wächst von innen her und verdorrt auch so.
— Hermann Stehr
Liebt das, was ihr zum zweiten Mal nie wiedersehen werdet.
— Alfred de Vigny
In jedem Jahr sind die schönsten Tage am kürzesten.
— Otto Weiss
Es gibt dumme Gedanken, die man nicht eher los wird, als bis man sie ausgeführt hat
— Otto Weiss
Man badet zweimal nicht im selben Bach, erwacht nicht zweimal zu demselben Leben.
— Edward Young
Wir bemerken die Zeit nur aus ihrem Verluste.
— Edward Young
Eine Seele ohne Gedanken muss, wie ein Gebäude ohne Einwohner, bald in Verfall geraten.
— Edward Young
Was nicht auf das Gesetz gegründet war, wird auch, vom Gesetz nicht geschützt, zugrunde gehen.
— Ferdinand Ebner
Nichtstun ist die Weisheit derjenigen, die den Untergang von Narren miterlebt haben.
— George Meredith
Die Zivilisation ist nichts anderes als ein Farbanstrich, der vom nächsten Regen fortgewaschen wird.
— Auguste Rodin
Der Mensch sagt: Die Zeit vergeht. Die Zeit sagt: Der Mensch vergeht.
Des Mannes Witz zu Ende geht, wenn er in großen Zorn gerät.
— Bernhard Freidank
Auf Erden nichts geschaffen ist, was hat Bestand für lange Frist.
— Bernhard Freidank
Glück ist recht wie ein Ball; Wer steiget, soll fürchten den Fall.
— Bernhard Freidank
Gar oft ist ohne Recht zerronnen, was ohne Recht man hat gewonnen.
— Bernhard Freidank
Unsere größte Not liegt im inneren Versiegen der Lebensquellen, und kein Mittel von draußen her kann diese Not erfassen und lindern.
— Sebastian Faber
Ehe sie den Wert des Lebens erkannt, haben die meisten es schon halb durcheilt.
— Theodor Toeche-Mittler
Das Leben zehrt den Tod auf, und nicht der Tod das Leben.
— Johann Jakob Wilhelm Heinse
Seine Individualität wahren muss man immer, denn was sich nicht durch immer neue Selbsttätigkeit erhält, löst sich auf nach dem allgemeinen Gesetz des Werdens und Vergehens.
— Fanny Lewald
Es gibt für den Sterblichen kein Zurück; auch nicht eine Minute kehrt in gleicher Weise wieder.
— Sophie Alberti
Verpasste Gelegenheiten kommen nicht wieder. Aber sie lehren uns, neue wahrzunehmen.
— Henriette Wilhelmine Hanke
Altersproblem: Die Zeit nimmt ab und die Langsamkeit zu.
— Henriette Wilhelmine Hanke
Das, wofür du keinen Sinn hast, geht für dich verloren, wie die Farbenwelt dem Blinden.
— Karoline Friederike Louise M. von Günderrode
Liebe ist die größte Überzeugung. Ist diese zu überwinden, so lieben wir nicht mehr.
— Rahel Varnhagen von Ense
Wir sehen in den Kunstwerken aller Zeiten es am deutlichsten, wie das Menschengeschlecht sich verändert hat, wie niemals dieselbe Zeit wiedergekommen ist, die einmal da war
— Philipp Otto Runge
Wir vertreiben uns die Zeit so lange, bis sie uns vertreibt.
— August Pauly
Was sind wir, wenn all das, was wir zu sein glauben, was uns schwer und tastbar und wirklich macht, nur geliehene Bausteine sind, aus denen nach uns andere wieder aufgebaut werden können?
— August Pauly
Gleicht das Leben nicht einem Akrobaten, der auf einer rollenden Kugel läuft, sich mit Kunst lange oben hält, aber endlich doch herunter muss aus Müdigkeit?
— August Pauly
Es ist dem Verstand selber nicht wohl, wenn er ganz allein zurückgeblieben ist in der Seele eines Menschen und alles fortgegangen ist, was warm war.
— August Pauly
Auch unsere Wünsche sterben, wenn sie alt werden.
— August Pauly
Was wir so oft »Liebe« nennen, ist doch nichts weiter als ein kurzer Sinnenrausch. Ist er in seiner Sonderheit verflüchtigt, so tritt größtenteils herbe Unbefriedigung und nicht selten Trennung ein.
— Heinrich Martin
Der Weisere trauert weniger um das, was das Alter nimmt, als um das, was es zurücklässt.
— William Wordsworth
Die meisten Männer, die auf der Welt vorwärts kommen, vergessen das Vergnügen während der Zeit, in der sie ihr Vermögen erarbeiten; sie warten, bis sie es geschafft haben, und dann ist es für sie zu s …
— Samuel Pepys
Dem Elend wolle nie mit Spötterworten nahen. Wer glaubte wohl sein Glück von ewigem Bestand?
— August Lafontaine
Kein Mörder hat ewiges Leben, das in ihm bleibt.
— Friedrich Wilhelm Kaulisch
Das Leben ist wie ein Hauch, das eine Weile sichtbar ist und dann wieder verschwindet
Ich habe einen Horror vor dem Tod. Die Toten sind so schnell vergessen. Aber nach meinem Tod muss man sich einfach an mich erinnern.
— Emily Elizabeth Dickinson