Sprüche über Gefahr
532 Sprüche — Seite 7
Gefahr gehört zu jenen Erfahrungen, in denen das Leben plötzlich seine Verletzlichkeit zeigt. Sie kann von außen drohen oder aus menschlichem Leichtsinn, Machtstreben und Selbstüberschätzung entstehen und zwingt dazu, genauer hinzusehen. Gerade deshalb ist dieses Thema nie nur düster, sondern auch klärend.
Wo Gefahr erkannt wird, treten Mut, Vorsicht und Urteilskraft zugleich hervor. Die Sprüche zu diesem Thema machen sichtbar, wie schmal der Abstand zwischen Sicherheit und Bedrohung oft ist und warum Wachsamkeit nicht Angst bedeuten muss, sondern ein Ausdruck verantwortlicher Nüchternheit sein kann.
Vor dem Sturz bewahren ist besser, als nach dem Sturz auf die Beine helfen.
Die Bescheidenheit ist wie die Enthaltsamkeit: man würde wohl gerne mehr essen, fürchtet aber, dass es einem übel bekommt
— François de la Rochefoucauld
Wenn man sich beim Leben allzusehr auf die Finger sieht, lebt man nicht mehr. Der Blick schafft sich dann das, was er sucht, und man wird zu dem, was zu sein man sich einredet.
— André Gide
Wer eine Witwe mit drei Töchtern heiratet, heiratet vier Diebe.
Halte die Augen vor der Ehe offen - dann halb geschlossen
— Benjamin Franklin
Brennt des Nachbarn Wand, ist dein Haus gefährdet.
— Horaz
Wo es eine Ehe ohne Liebe gibt, gibt es bald eine Liebe ohne Ehe.
— Benjamin Franklin
Hüte Dich vor kleinen Ausgaben; ein großes Schiff kann wegen eines kleinen Leck sinken.
— Benjamin Franklin
Wen das Glück zärtelt, dem will es den Strick um den Hals werfen.
Vor fremden Gut bewahr' die Hände, sonst nimmst du bald ein schlimmes Ende.
Sei schlicht und wahr, blick der Gefahr frei ins Gesicht: fürchte dich nicht!
Der Adler sieht das Luder wohl, aber nicht den Jäger.
Das freie Schaf frisst den Wolf.
Die Gans geht so lange zur Küche, bis sie am Spieß stecken bleibt.
Sähst du einem Hasen so ähnlich als einem Narren, die Hunde hätten dich längst zerrissen.
Schweigender Hund beißt am ersten.
Unter einem Fuder Heu erstickt keine Maus.
Wer sich mausig macht, den fressen die Katzen.
Mach dich nicht mausig, wir haben Katzen.
Erziehst du dir einen Raben, so wird er dir ein Aug ausgraben.
Die Störche fliegen hoch und tragen im Schnabel Kröten und Schlangen.
Wer sich zur Taube macht, den fressen die Falken.
Mit welchen Vögeln man fliegt, mit denen wird man gefangen.
Die Vögel, die zu früh singen, holt am Abend die Katz.
Wer einen Fuß im Hurenhaus hat, hat den andern im Spital.
Die menschliche Hand bedeutet menschliche Macht: Mit dem durchgeistigten Handeln der Hand ist der Mensch der Natur gegenüber gefährlich geworden.
— Oswald Spengler
Es ist sonderbar, dass der Mensch sich nicht vor sich selbst fürchtet.
— Friedrich von Schlegel
Glück gibt Gefährten, Gefahr bewahrt den Freund
— Friedrich Halm
Die menschliche Gesellschaft gleicht einem Gewölbe, das zusammenstürzen müsste, wenn sich nicht die einzelnen Steine gegenseitig stützen würden.
Wer zu laut und zu oft seinen eigenen Namen kräht, erweckt den Verdacht, auf einem Misthaufen zu stehen.
— Otto von Leixner
Auf die Feinde muss man wohl Acht haben, denn niemand bemerkt unsere Fehler eher als sie.
— Diogenes Laertius
Wenn das noch immer so weiter geht mit Arbeitseinteilung und Spezialität, dann wär das Wagnis geringer, dem Löwen in den Rachen zu sehn, als mit einem kranken Zeigefinger zum Spezialisten für Dau …
— Ludwig Anton Salomon Fulda
Die Liebe, die in Stürmen lebt und oft in den Armen der Treulosigkeit wächst, widersteht nicht immer dem Frieden der Treue
— Antoine de Rivarol
Auch wenn die Biene einen gestreiften Rücken hat, ist sie noch lange kein Tiger.
Der Mensch gleicht einer Münze, Freund! Ist er von gutem Korn, und scheint dir echt sein Schlag und ist noch scharf sein Rand, dann reich ihm unverweilt die Hand. Griff aber schon die Welt zu seh …
— Aloys Blumauer
Fanatiker sind zu allem fähig, sonst aber zu nichts.
— Georg Christoph Lichtenberg
Zu großes Ansehen ist für die geistige Gesundheit nicht gut
— George Bernard Shaw
Wer Erfahrung mit heißer Suppe hat, bläst auf Fischsalat.
Alles, was uns begegnet, läßt Spuren zurück, alles trägt unmerklich zu unserer Bildung bei; doch ist es gefährlich, sich davon Rechenschaft geben zu wollen.
— Johann Wolfgang von Goethe
Wahrhaftig, der Umgang mit schlechten Büchern ist oft gefährlicher als mit schlechten Menschen.
— Wilhelm Hauff
Die Kritik gleicht einer Bürste. Bei allzu leichten Stoffen darf man sie nicht verwenden; denn sonst bliebe nichts mehr übrig.
— Honoré de Balzac
Erst wenn man den Fluss erreicht hat, zieht man sich die Schuhe aus!
Nur wer irgendein Ideal, das er ins Leben ziehen will, in seinem Innern hegt und nährt, ist verwahrt gegen die Gifte und Schmerzen der Zeit.
— Jean Paul
Der Mensch lebt in einem beständigen Krieg mit dem Zufall. Wir wandern auf Glatteis und sind keinen Augenblick sicher, dass wir nicht fallen
— Friedrich Vischer
Schwimmt man lang im Abgrund der Gedanken, so wird man matt
— Lord Byron
Die schlechte Absicht ist immer auf den Beinen.
— Emil Gött
Wer ein volles Gefäß trägt, muss das Gedränge vermeiden, und wessen Seele am Überlaufen ist, einsame Wege gehn.
— Emil Gött
Vor Feuersglut, vor Wassernot mag sicher fort der Erdball rücken. Wenn noch ein Untergang ihm droht, so wird er in Papier ersticken.
— Gottfried August Bürger
Die Unverdorbenen kommen leicht in der Ruf, unverbesserlich zu sein.
— Daniel Spitzer
Wer uns vor nutzlosen Wegen warnt, leistet uns einen eben so guten Dienst wie derjenige, der uns den rechten Weg anzeigt.
— Christian Johann Heinrich Heine
Verleumdung ist wie die Wespe, die uns lästig umschwärmt. Man darf nicht nach ihr schlagen, wenn man sie nicht sicher tötet, sonst greift sie noch wütender an als zuvor.
— Nicolas Chamfort
In jedem Glück ist ein Tropfen Bitterkeit.
— John Knittel
Das Geld hat keinen Schaden davon, wie es erworben wurde, aber dem, der es erwirbt schadet es.
— John Steinbeck
Ein Feind, über den man im Bilde ist, ist weniger gefährlich.
— John Steinbeck
Hütet euch jene schwächliche Resignation, von welcher der nächste Schritt zur Gleichgültigkeit führt, zu befördern oder sie gar hervorzurufen wollen.
— Wilhelm Raabe
Alle Menschen sind ehrlich, solange sie uninteressiert sind; die meisten aber sind verwundbar, wo ihr Interesse ins Spiel kommt. Ich glaube, dass einige wenige Menschen trotz ihres Interesses ehrlich …
— John Steinbeck
Schafft keine Papiere an, mag der Zins beziehungsweise die Dividende noch so hoch sein, wenn das Papier nicht als absolut sicher anzusehen ist.
— August Bebel
Freund, halte die Brust nicht allzu keck den Pfeilen der Feinde offen; denn hast du das Herz auf dem rechten Fleck, so wird es sicher getroffen.
— Otto Ernst
Drücke den Pfeil zu schnell nicht ab, der nimmer wiederkehrt. Glück zu zerstören ist leicht, wiederzugeben schwer.
— Johann Gottfried Herder
Gewohnheit stärkt den Körper in großen Anstrengungen, die Seele in großen Gefahren, das Urteil gegen den ersten Eindruck
— Carl Philipp Gottfried von Clausewitz