Sprüche über Veränderung
512 Sprüche — Seite 7
Nichts Lebendiges bleibt auf Dauer unverändert, und doch wird Veränderung oft zugleich ersehnt und gefürchtet. Sie löst Vertrautes auf, eröffnet Neues und zwingt dazu, sich zu fragen, was bewahrt und was überwunden werden sollte. Deshalb gehört dieses Thema zu den bewegendsten Erfahrungen menschlichen Daseins.
Ihre eigentliche Kraft entfaltet sich dort, wo Wandel nicht bloß geschieht, sondern bewusst gestaltet wird. Die Sprüche zu diesem Thema zeigen, wie eng Entwicklung und Verlust, Mut und Unsicherheit miteinander verbunden sind und warum jeder Neubeginn auch den Abschied von etwas Altem verlangt.
Was ein Frosch werden will, muss erst ein Kühleskopp gewesen sein.
Der Fuchs ändert den Pelz und behält den Schalk.
Es flog ein Gänslein über's Meer und kam ein Gickgack wieder her.
Wenn man die Gans zum Ganter setzt, so bleibt der Ganter der Mann, der es sein soll.
Ließe der Dieb das Stehlen, der Hund ließe sein Bellen.
Es ist nicht Not, dass man den Hund mit Bratwürsten werfe, solange man noch gute Bengel hat.
Das wär' das Rechte, dann kommst du vom Hund auf den Bettelsack.
Die Krähe läßt ihr hüpfen nicht.
Der Kuckuck behält seinen Gesang, die Glocke ihren Klang, der Krebs seinen Gang, Narr bleibt Narr sein Leben lang.
Je älter die Kuh, desto hübscher das Kalb.
Wenn Lämmer einmal neben Wölfen grasen, scheint eine andere Sonne.
Liebe macht Löffelholz aus manchem jungen Knaben stolz.
Vom Pferd auf den Esel.
Die Sau muss Haar lassen.
Wenn die Schwalben fortfliegen, bleiben die Spatzen hier.
Wenn die Schwalben fliegen, so bleiben hier die Fliegen.
Wenn der Storch die Erbsenstoppel sieht, jagt er die Jungen vom Neste.
Die Gedanken kommen wieder, die Überzeugungen pflanzen sich fort, die Zustände gehen unwiederbringlich vorüber.
— Johann Wolfgang von Goethe
Am Handel lernt man den Wandel.
Aus einer argen Hur wird selten ein gut Eheweib.
Wenn der Meister kommt heran, hat das Meisterchen getan.
Die Metzger sagen, es ist nichts mehr mit den Bauern zu machen, seit sie in der Bibel lesen und die Kinder selbst machen.
Der Mensch, der gleicht dem Aprilwetter, welches bald schön, bald wild, bald warm, bald kalt, bald trocken, bald naß, bald Sonne, bald Regen, bald Riesel, bald Schnee, bald Blumen, bald Klee.
— Abraham a Sancta Clara
Die Bekanntschaft mit einem einzigen guten Buch kann ein Leben ändern.
Das Leben sähe anders aus, wenn wir, statt über die Lieblosigkeit in der Welt zu klagen, etwas gegen die Lieblosigkeit in uns selbst tun würden.
— Rainer Haak
Es ist vielleicht die größte Tragödie des Alters, dass die Vorzüge der Jugend - Leichtsinn, Beweglichkeit, Liebesbereitschaft - beim alten Mann komisch wirken.
— Alexander Roda Roda
Nur ein schlechter Plan erlaubt keine Änderung
— Publius Syrus
Das Denken ist der Prozess, durch den niedrige Instinkte verwandelt werden.
— Walter Rathenau
Durch mehr tun, als dazu gehört, ward oft schon gut in schlecht umgekehrt.
Die Fesseln der Gewohnheit sind meist so fein, dass man sie kaum spürt. Doch wenn man sie spürt, sind sie so stark, dass sie sich (offenbar) nicht mehr zerreissen lassen.
— Samuel Johnson
Hunger wandelt Bohnen in Mandeln.
Wer über den See geht, wechselt den Himmel, doch nicht den Charakter.
— Horaz
Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit, und neues Leben blüht aus den Ruinen.
— Friedrich von Schiller
Immer wieder, wenn wir sinnen, stürzt die Welt in wilde Stücke; immer wieder, still von innen, fügen wir die schöne Brücke.
— Richard Fedor Leopold Dehmel
Die eifrigsten Reformer haben lernen müssen, dass sie sich jediglicher Macht berauben, wenn sie den schwerfälligen Massen zu weit voraneilen.
— Woodrow Wilson
Das Alte wird nie alt, es wird nur alt das Neue.
— Friedrich Rückert
Nimm gegenüber Wandel und Beständigkeit die gleiche Haltung ein, und nichts wird deine Klarheit trüben
— Laotse
Genieß die Gegenwart mit frohem Sinn, sorglos, was dir die Zukunft bringen werde; doch nimm auch bittern Kelch mit Lächeln hin - vollkommen ist kein Glück auf dieser Erde.
— Horaz
Gerade der schöpferische Mensch wird immer auf die Natur zurückgreifen, um menschliche Formeln durch neues Leben zu erfüllen oder zu sprengen
— Gerhart Johann Robert Hauptmann
Die Menschen sind so und wollen so sein… Du wirst sie nicht ändern! Sie jammern und klagen und sind an allem nur selber schuld mit ihrer freudlosen Ungeduld.
— Cäsar Flaischlen
Alle Dinge sind an sich selbst widersprechend. Der Widerspruch aber ist die Wurzel aller Bewegung und Lebendigkeit.
— Georg Friedrich Wilhelm Hegel
Selbst die tiefste Erkenntnis ändert nichts am Wesen der Welt, so wenig wie Selbsterkenntnis am eigenen Wesen.
— Ernst Hohenemser
Es ist nötig, an dem neuen Weg zu arbeiten. Dies ist unverhältnismäßig schwer, aber durchaus nicht ohne Hoffnung.
— Wladimir Iljitsch Lenin
Ein Mensch, der eine bestimmte Art zu handeln gewohnt ist, ändert sich nie und muss, wenn die veränderten Zeitverhältnisse zu seinen Methoden nicht mehr passen, scheitern.
— Nicolaus Machiavelli
Die Zeiten ändern sich. Und noch viel mehr die Menschen; und nur selten hebt man mit freudigem Lächeln wieder auf, was man mit bittern Tränen fallen ließ.
— Christian Friedrich Hebbel
Die Kunst des schönen Gebens wird in unserer Zeit immer seltener, in demselben Maße, wie die Kunst des plumpen Nehmens, des rohen Zugreifens täglich allgemeiner gedeiht.
— Christian Johann Heinrich Heine
Der Mensch ist weder Engel noch Tier, und das Unglück will es, dass, wer einen Engel aus ihm machen will, ein Tier aus ihm macht.
— Blaise Pascal
Dadurch haben sich die Menschen die Ehe zur Hölle gemacht, dass sie sie zu ihrem Himmel machen wollten.
— Johann Christian Friedrich Hölderlin
Durch albernes Geheule wird nie was in er Welt gebessert.
— Wilhelm Raabe
Wohin ich auch zu gehen gedenke, so muss ich doch erst immer einen Schlagbaum der Gewohnheit frei machen, so sorgfältig hat sie alle unsere Straßen verrammelt.
— Michel de Montaigne
Ideale sollten nach einer Umformung der Wirklichkeit trachten - nichts Geringeres sollte ihr Ziel sein.
— William James
Unser Ich gleicht den Flüssen, die ihren Namen beibehalten und stets anderes Wasser rollen.
— Karl Julius Weber
Sich der eigenen Leere zu stellen, kann ein Anfang sein.
— Else Pannek
Unsicherheit ist der Begleiter jeder Veränderung.
— Else Pannek
Gewiss ist, dass es Sonne gibt und Regen — dass es Abend wird und Nacht — und dass danach ein Morgen beginnt das ist gewiss.
— Else Pannek
Wir wissen wenigstens, dass wir nichts taugen, und in dieser Erkenntnis ist die Möglichkeit der Besserung gegeben
— Theodor Fontane
Der Mensch träumte und baute Maschinen, nach einiger Zeit fingen die Maschinen an zu träumen und vergaßen den Menschen
Die Erinnerungen früherer Zeiten nehmen von Jahrzehnt zu Jahrzehnt eine andere Gestalt und Wirkung für uns an.
— Jean Paul
Ein jeder Aberglaube versetzt uns ins Heidentum.
— Justus Freiherr von Liebig
Durch den Gebrauch unserer zwei Augen wird unser Leben nicht besser
— Voltaire