Sprüche über Gelegenheit
837 Sprüche — Seite 13
Manche Wendung des Lebens kündigt sich nicht laut an, sondern erscheint nur für einen kurzen Augenblick als unscheinbare Möglichkeit. Gerade deshalb gehört Gelegenheit zu jenen Themen, die über Mut, Wachheit und Entschlusskraft entscheiden. Was ergriffen wird, kann ein Leben verändern, was versäumt wird, oft lange nachhallen.
Ihr eigentlicher Wert zeigt sich darin, dass sie niemals nur Zufall ist, sondern immer auch Bereitschaft verlangt. Die Sprüche zu diesem Thema machen deutlich, wie eng günstiger Augenblick und inneres Handeln verbunden sind und warum manche Tür nur für den offensteht, der den Schritt rechtzeitig wagt.
Dass Güte nicht auch Schwäche sein könnte, behauptet niemand, dass sie es immer sei, nur ein Tor
— Christian Morgenstern
Wir haben weder die Kraft noch die Gelegenheit, all das Gute und Böse zu tun, das wir planen
— Marquis de Vauvenargues
Wir wissen wenigstens, dass wir nichts taugen, und in dieser Erkenntnis ist die Möglichkeit der Besserung gegeben
— Theodor Fontane
Oft veranlasst das törichte Lachen eines Dummkopfs sogar gute Menschen, so manches nicht zu tun
— Iwan Turgenjew
Die Zeit ist schnell, noch schneller ist das Schicksal. Wer feig des einen Tages Glück versäumt, er holt’s nicht ein, und wenn ihn Blitze trügen
— Theodor Körner
Jede Bedrängnis ist nur ein Engpass zu einer Weite.
— Johannes Peter Müller
Zukünftig wird es nicht mehr darauf ankommen, dass wir überall hinfahren können, sondern, ob es sich lohnt, dort anzukommen
— Hermann Löns
Jedes Alter kann einen guten Gebrauch vom Leben machen, aber man kennt die Möglichkeiten nur, wenn man dieses Alter durchlebt hat.
— Sully Prudhomme
Wir tragen den Frieden wie ein Gewand, an dem wir vorne flicken, während es hinten reißt
— Wilhelm Raabe
Gerechtigkeit ist eine Maschine, die sich von selbst bewegt, sobald man sie einmal angestoßen hat.
— John Galsworthy
Um Wunder zu erleben, muss man an sie glauben
— Carl Ludwig
Alles kommt beim Denken darauf an, dass einem die rechte Vorstellung im rechten Moment einfällt.
— Karl Robert Eduard von Hartmann
Mein Herr, um hierzulande zu gefallen, muss man bei Tische große Messer und kleine Geschichten zur Hand haben.
— Marie-Thérese Geoffrin
Die erste Morgenstunde ist das Steuerruder des Tages
— Augustinus
Wenn ein Hund um nichts bellt, bellen zehntausend andere aus vollem Halse mit.
Es verliert die schwerste Bürde des Lebens die Hälfte ihres Drucks, wenn man von ihr reden kann.
— Jeremias Gotthelf
Wir bräuchten dringend eine Pisa-Studie über unser Gewissen
— Rainer Karius
Das Leben ist wie ein geschicktes Zahnausziehen. Man denkt immer, das Eigentliche sollte erst kommen, bis man plötzlich sieht, das alles vorbei ist
— Otto von Bismarck
Man kann sich das Leben auch durch zu großen Ernst verscherzen
— Peter Sirius
Mein Sohn hat gesagt: Was einen drückt, das muss man verarbeiten, und wenn er ein Leid gehabt hat, da hat er ein Gedicht daraus gemacht.
— Katharina Elisabeth Goethe
Liebe verhungert nicht, aber sie stirbt oft an Verdauungsstörung.
— Anne Lenclos
Eine gute Gelegenheit ist schwer erlangt und leicht versäumt.
Jede Stunde ist ein Baustein für die Zukunft.
Pflege das Leben, wo du es triffst
— Hildegard von Bingen
Warum denn warten von Tag zu Tag? Es blüht im Garten, was blühen mag.
— Klaus Groth
Was Du heute erdenkst und nicht verwerten kannst, mag morgen den Erdball aus den Angeln heben.
— Max von Eyth
Die Entfernung ist unwichtig. Nur der erste Schritt ist wichtig.
— Marie de Vichy-Chamrond (M. du Deffand)
Es gibt Fälle, wo das Höchste wagen die höchste Weisheit ist
— Carl Philipp Gottfried von Clausewitz
Mit allem Großen ist es wie mit dem Sturm. Der Schwache verflucht ihn mit jedem Atemzug, der Starke stellt sich mit Lust dahin, wo's am heftigsten weht.
— Christian Morgenstern
Man muss viele Steine werfen, damit wenigstens ein Stein trifft.
Sehr oft sind intellektuelle Strenge und erbarmungslose Logik nur äußere Formen einer tiefen, unaufgeklärten Bosheit.
— Stanislaw Brzozowski
Unser Denken ist träger als unsere Muskeln, geübter in Ausflüchten, die es erlauben, der Arbeit zu entgehen.
— Stanislaw Brzozowski
In Deutschland arbeiten die Arbeiter, damit die Angestellten etwas zu schreiben haben.
— Kurt Tucholsky
Der Himmel hilft niemals denen, die nicht handeln
— Sophokles
In schnellem Wasser ist gut Fische fangen
Nicht jede Zeit findet ihren großen Mann, und nicht große Fähigkeit findet ihre Zeit
— Jacob Christoph Burckhardt
Wenn die Personen laufen, ist es furchbar schwierig die Richtung festzulegen
— Walter Scheel
Wer die Zeit verklagen will, dass so zeitig sie verraucht, der verklage sich nur selbst, dass er sie nicht zeitig braucht
— Friedrich von Logau
Man sollte von Zeit zu Zeit von sich zurücktreten wie ein Maler von seinem Bilde
— Christian Morgenstern
Ich warf allerlei Gedanken im Kopf herum bis endlich folgender obenhin zu liegen kam.
— Georg Christoph Lichtenberg
Strebe rastlos nach Vollendung, nur Verdienst ist wert des Lohnes; für versäumte gute Taten gibt es keine Wiederkehr.
— Hafis
Der Ausgangspunkt für die großartigsten Unternehmungen liegt oft in kaum wahrnehmbaren Gelegenheiten
— Demosthenes
Wenn uns etwas aus dem gewohnten Geleise wirft, bilden wir uns ein, alles sei verloren, dabei fängt etwa Neues, Gutes an.
— Leo Tolstoi
Denn das ist eben die große und gute Einrichtung der Natur, dass in ihr alles im Keim da ist und nur auf eine Entwicklung wartet.
— Johann Gottfried Herder
Einer schlechten Sache müssen ihre Gegner nur unbegrenzten Spielraum lassen, sich selbst zugrunde zu richten.
— Richard Rothe
Weil die meisten Leute noch immer die falschen Dinge glauben, warten die richtigen Ereignisse noch immer auf ihren Kopfsprung ins Leben.
— Christa Schyboll
Das Gehirn ist nicht nur ein Gefäß, das gefüllt werden muss, es muss auch entzündet werden!
— Nikolaus B. Enkelmann
Die Meisterung des Lebens beginnt in dem Augenblick, wo wir selbst und nicht der Zufall unser Unterbewußtsein programmieren.
— Nikolaus B. Enkelmann
Probleme geben uns die Chance, zu zeigen, wie tüchtig wir sind.
— Nikolaus B. Enkelmann
Das Leben ist zu kurz für eine große Geschichte.
— Mary Wortley Montagu
Um der großen Kraft teilhaftig zu werden, muss ein Mensch ruhen, sobald er das Bedürfnis danach empfindet - sei es um Mittag oder Mitternacht.
— Prentice Mulford
Mit der Kultur der Ruhe aber wächst der Wille zu einer Macht, die Schlaf oder absolute Passivität augenblicklich erzeugen kann.
— Prentice Mulford
Lerne, von Dingen wegzudenken, bis ihre Zeit da ist. Damit entlässt du den Gedanken an die Verantwortung, bis es zweckmäßig oder nützlich ist, ihm Einlass zu gewähren.
— Prentice Mulford
Relativ echt und unverdorben ist der Mensch, der überhaupt noch weiß, wann er lügt.
— Prentice Mulford
Es ist für den Reichen viel leichter, Gutes zu tun, als für den Armen, sich vom Bösen fernzuhalten.
— Jean Antoine Petit-Senn
Man kann sich Vergangenes oder Zukünftiges wünschen; aber man muss das Gegenwärtige nutzen.
— Francesco Petrarca
Nichts ist verschlossen genug, nichts zu hoch, nichts zu dunkel für Diebe und Räuber.
— Francesco Petrarca
Im Staat ist keiner überflüssig, so schlecht er sein mag von Natur, gebt ihm die rechte Stelle nur
— Karl Wilhelm Ramler
Die Weisheit ist in Allem; der sie sucht, dem kommt sie aus allem entgegen
— Carl Friedrich von Rumohr
Böses darf man nicht nur denen zur Last legen, die es tun, sondern auch denen, die es nicht verhindern, obwohl sie dazu in der Lage wären.
— Thukydides