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Sprüche über Leid

339 Sprüche — Seite 6

Wo Sehnsucht auf Grenzen, Verlust oder Ungerechtigkeit trifft, entsteht Leid in seinen vielen Gestalten. Es kann körperlich, seelisch oder still verborgen sein und gehört doch zu den Erfahrungen, die das Leben am tiefsten prägen. Deshalb ist dieses Thema schwer, aber unentbehrlich für jedes ernste Nachdenken über den Menschen.

Seine Wahrheit liegt darin, dass Leid nicht nur belastet, sondern Mitgefühl, Reife und Fragen nach Sinn hervorbringen kann. Die Sprüche zu diesem Thema geben Schmerz und Ohnmacht eine Sprache, ohne deren Schwere zu beschönigen.

  1. Ratschläge sind viel leichter als Geduld im Leid.

    Euripides

  2. Manchen Wohltäter verwirrt das Leid der anderen derartig, dass er nicht weiß, wo er seine Tasche hat.

    Georg Christoph Lichtenberg

  3. Der Weise mit Hoffnung erträgt die Qualen des Lebens.

    Euripides

  4. Es verliert die schwerste Bürde des Lebens die Hälfte ihres Drucks, wenn man von ihr reden kann.

    Jeremias Gotthelf

  5. Das Leiden soll uns in die Höhe tragen.

    Anselm von Canterbury

  6. Viel Obst ist ungesund; wir kauen alle dran, was eines Apfels Kost für Leid uns angetan.

    Friedrich von Logau

  7. Gott schickt am End uns Leiden, auf dass uns diese Welt, wenn wir nun von ihr scheiden, nicht mehr so mächtig hält.

    Justinus Andreas Christian Kerner

  8. Der Ziellose erleidet sein Schicksal, der Zielbewußte gestaltet es.

    Marcus Tullius Cicero

  9. Für die Gesundheit und ein langes Leben ohne großen Kummer weiß ich kein besseres Mittel als die Narrheit.

    Michelangelo

  10. Mein Sohn hat gesagt: Was einen drückt, das muss man verarbeiten, und wenn er ein Leid gehabt hat, da hat er ein Gedicht daraus gemacht.

    Katharina Elisabeth Goethe

  11. Die Tat ist die Blüte des Gedanken und Freud und Leid sind seine Früchte; der Mensch erntet somit sowohl die süßen wie auch die bitteren Früchte seiner eigenen Lebensführung.

    James Allen

  12. Es gibt keinen unerträglichen Schmerz. So lange er empfunden wird, wird er ertragen. Ist er wirklich unerträglich, so bricht er das Herz physisch oder moralisch.

    Richard Rothe

  13. Einer der Unterschiede zwischen Hund und Mensch besteht darin, dass man sich in der Not auf diesen niemals, auf jenen aber immer verlassen kann.

    Georges-Louis Leclerc de Buffon

  14. Ein geteilter Kummer verändert sich eben so sehr, wie ein Vergnügen, das nicht geteilt wird.

    Jean Antoine Petit-Senn

  15. Keine Wunde ist in mir so vernarbt, dass ich sie ganz vergessen könnte

    Francesco Petrarca

  16. Du leidest an einer unheilvollen Seelenkrankheit. Die Modernen nennen sie Schwermut, die Alten hießen sie geistige Trägheit

    Francesco Petrarca

  17. Es gibt kein Leiden des Körpers von dem die Seele nicht profitiert.

    George Meredith

  18. Wir werden von einem Leiden nur geheilt, wenn wir es bis zum letzten auskosten.

    Marcel Proust

  19. Wer nie um der Liebe willen gelitten hat, der hat auch nie Glück durch sie erfahren.

    Gottfried von Strassburg

  20. Die wahre Freude des Lebens, die sich im tiefsten Leid bewährt, ist die Freude darüber, dass Gott ist und dass der Mensch Gottes Kind ist.

    Ferdinand Ebner

  21. Keine Freude ist auf Erden ganz, Die Freude wird versalzen mit Leid, Honig wird mit Gallen zubereit't.

    Georg Rollenhagen

  22. Wer um alle Dinge sorgen will, den erwartet Leides viel.

    Bernhard Freidank

  23. Am Anfang der Revolutionen sind die Leiden schlimmer als die Befürchtungen; und am Ende die Befürchtungen schlimmer als die Leiden.

    Charles Alexis Henri Clérel de Tocqueville

  24. Ein Herz ohne Leiden gleicht einer Welt ohne Offenbarung. Es sieht Gott nur im Dämmerlichte.

    Sebastian Faber

  25. Freude bezahlt der Mensch durch Leid. Er sammle Schätze in guten Zeiten, froh, wenn er nur deren Zinsen in schlechten Zeiten aufwenden muss.

    Theodor Toeche-Mittler

  26. Solange wir leben, leiden wir.

    Frederico Garcia Lorca

  27. Schweres Leiden bedeutet tiefere Segnung. Unsere Arbeit wird durch Prüfung nicht behindert, sondern vertieft und erweitert.

    James Hudson Taylor

  28. Unsere Entsagung macht uns fast immer unglücklich, und den nicht glücklich, dem das Opfer gebracht wird. Entsagte man nicht, so käme am Ende nicht zwei Leiden, sondern ein Glück und ein Unglück zust …

    Fanny Lewald

  29. Im allgemeinen unterschätzt man das Liebesleid der frühen Jugend, weil man es so leicht vergessen sieht.

    Fanny Lewald

  30. Gott bewahre jeden Menschen vor so schwerem Leid, dass selbst die Natur unbeachtet von ihm bleibt, dass sie in ihrer Macht und Lieblichkeit keinen sänftigenden Trost, kein Balsam für sein wundes Herz …

    Sophie Alberti

  31. Dem Reichen bleiben seine Schätze oft ungeschmälert, keine Lücke reißt das unerbittliche Schicksal. Dem Armen wird oft sein einziges Gut genommen. So ist es gewesen von Anfang, so wird es bleiben in a …

    Sophie Alberti

  32. Die Liebe zu Gott ist rein, wenn Freude und Leid die gleiche Dankbarkeit einflößen

    Simone Weil

  33. Hat dich ein bittres Leid getroffen, so scheue nicht ein doppelt Müh'n; am schönsten pflegen Trost und Hoffen im Schweiß der Arbeit aufzublühn.

    Friedrich Julius Hammer

  34. Der Neid ist eine Geißel, deren Opfer im Stillen leiden, er ist ein nagender Wurm an dem Lebensfrieden und an der Tugend des Menschen, welcher ihm Aufnahme gewährte.

    Albertine Necker-Saussure

  35. Leider, dem Mitleid entsprießt nur allzuoft die Verachtung; darum verberge Dein Leid tief in der innersten Brust.

    Heinrich Martin

  36. Möglichst viele Leiden kraftvoll in Freuden zu verwandeln, das ist das rechte Mitleid.

    Friedrich Lienhard

  37. Es gibt nur einen Weg zur Meisterschaft: Erschütterungen durch Leid und Liebe. Aus ihnen wird Weisheit wenn Vollendungsdrang dahinter wirkt. Weisheit ist veredelte Liebe, verklärtes Leid, geschmiede …

    Friedrich Lienhard

  38. In persönlichen Nöten tritt die persönliche Note des Menschen am klarsten zu Tage.

    Georg Jacob F. P. H. Dechent

  39. Der Preis jedes Glückes ist viel Schmerz

    Richard Fedor Leopold Dehmel