Sprüche über Tugend
368 Sprüche — Seite 6
Was einen Menschen innerlich ehrt, erschöpft sich nicht in Talent, Erfolg oder Ansehen. Tugend bezeichnet jene geformte Haltung, in der sich Charakter, Maß und sittliche Verlässlichkeit zeigen. Deshalb wirkt dieses Thema zwar alt, berührt aber bis heute die Frage, woran wahre menschliche Größe zu erkennen ist.
Ihr Kern liegt nicht in äußerer Strenge oder Selbstgeißelung, sondern in der beständigen, oft stillen Übung des Guten – besonders dort, wo kein Beifall wartet. Eine tugendhafte Haltung zeigt sich am deutlichsten in kleinen, unbemerkten Entscheidungen und nicht erst auf der großen Bühne.
Der Widerstand einer Frau ist nicht immer ein Beweis ihrer Tugend; oft ist es ein Beweis ihrer Erfahrung.
— Ninon de Lenclos
Die Eroberungen der Männer schlagen öfter durch ihre eigene Tölpelhaftigkeit fehl als durch die Tugendhaftigkeit der Frauen.
— Ninon de Lenclos
Ohne Erziehung zum Gehorsam ist keine Bildung zu einem charakterfesten Menschen, zu einem Menschen, zu einem Manne denkbar.
— Friedrich Adolf Wilhelm Diesterweg
Die Ehre verpflichtet zur Sittlichkeit, der Ruhm noch mehr, die Macht am meisten.
— Berthold Auerbach
Das Wichtigste ist Charakter, wichtiger als Geld oder Besitz oder irgendwas sonst.
— John Pierpont Morgan
Freunde dich mit eines Mannes guten Eigenschaften, nicht mit seinem Vermögen an
Wie mag man tugendhaft und gerecht leben? Wenn man selbst nicht tut, was man an andern tadelt!
— Thales von Milet
Es genügt nicht, dass die Hände sauber sind. Es bedarf auch eines reinen Geistes
— Thales von Milet
Einer verständigen Frau Tugend heißt: ihrem Gatten nicht weh zu tun.
— Epicharmos
Zwei Wurzeln aller Tugend muss ich loben: Mitleid nach unten, Pietät nach oben.
— Victor Blüthgen
Die Dankbarkeit ist die Tugend der Nachwelt
— Friedrich Vischer
Die Tugend ist bei einigen Furcht vor der Gerechtigkeit, bei vielen Schwäche, bei anderen Berechnung.
— Gerard de Nerval
Reine Hände erweisen letzten Endes immer noch größere Kraft als starke Hände.
— Anton Wildgans
Moral ist der instinktive Widerwille einer Mehrheit
— David Herbert Lawrence
Geduld ist die Tugend der Esel
Es gibt keine furchtbarere Macht als das Vermögen, die Menschen lächerlich zu machen. Es gibt keinen größeren Beweis der Tugend, als dass man grenzenlose Macht besitzt und sie nicht mißbraucht.
— Thomas Babington Macaulay
Wie wird verlorene Freiheit wiedergewonnen? Durch einen aus der Tiefe des Volkes kommenden Stoß und Sturm der sittlichen Kräfte.
— Conrad Ferdinand Meyer
Stetes Pflichtbewusstsein ist die wahre Krone des Charakters.
— Samuel Smiles
Wenn wir nur verstünden, dass die Grundauffassungen unserer Vorfahren den Gerichtshof für unser Leben bilden!
— Maurice Barrès
Man kommt besser in der Welt vorwärts, wenn man Fehler verbirgt, als wenn man Tugenden zeigt.
— Jean Antoine Petit-Senn
Und geschieht es denn nicht stets, dass die wahre Liebe die schlechten Sitten anderer zur Umkehr bewegt?
— Francesco Petrarca
Niemand kann völlig frei sein, wenn nicht alle frei sind. Niemand kann völlig tugendhaft sein, wenn nicht alle tugendhaft sind. Niemand kann glücklich sein, wenn nicht alle glücklich sind.
— Herbert Spencer
Auch ein Mensch von Genie und Tugend ist nur ein Mensch. Alle seine Gaben können nicht gleichmäßig entwickelt sein.
— Thomas Babington Macaulay
Lieb ist selig allezeit, ein Ringen so voll Seligkeit, dass ohne ihre Lehre nicht Tugend ist noch Ehre.
— Gottfried von Strassburg
Jede Moral verübt Grausamkeiten.
— Otto Weiss
Unter den Moralisten, die uns alle Wege zum Glück zeigen gibt es tief unglückliche.
— Otto Weiss
Zu den gewandtesten Advokaten dieser Welt gehört das Gewissen.
— Otto Weiss
Gold glänzt zumeist, wo Tugend nicht mehr strahlt: Die Sterne glühn erst, wenn die Sonne sank.
— Edward Young
Ein ernsthaftes Gemüt ist der natürliche Boden zur Hervorbringung aller Tugenden, und der einzige Charakter, der dem Menschen Ehre macht.
— Edward Young
Dankbarkeit ist eine schöne Tugend, zieret das Alter und die Jugend; wen man undankbar nennen kann, dem hängen aller Laster an.
— Georg Rollenhagen
Fast jede Frau ist schön, wenn sie Charme hat. Fast jede Frau hat Charme, wenn sie Scham hat.
— Anton Graff
Reines Herz und reiner Mut sind in jedem Kleide gut
— Bernhard Freidank
Was wir zu fürchten haben, ist nicht die Unmoral der großen Männer, sondern die Tatsache, daß Unmoral oft zu Größe führt
— Charles Alexis Henri Clérel de Tocqueville
Glückliches Land, wo der Gesellschaft die Laster des Menschen fast ebenso nützen wie seine Tugenden.
— Charles Alexis Henri Clérel de Tocqueville
Die Leichtigkeit, womit irgend jemand eine Gemeinheit bei anderen für wahrscheinlich hält, ist meistens auch der beste Maßstab für seinen eigenen moralischen Wert.
— Joszef Freiherr von Eötvös
Nur zwei Dinge lassen sich nicht durch Mühe und Studium ersetzen: im Leben das feine moralische Gefühl und in der Kunst der Geschmack.
— Joszef Freiherr von Eötvös
Wer an die Unsterblichkeit glaubt, muss auch an das Näherliegende, an die Fortentwicklung der Menschheit hienieden zum Guten glauben.
— Theodor Toeche-Mittler
Ein wahrer Gentleman ist ein Mann, der die Gedanken einer Frau errät und Sie trotzdem nicht nach Hause begleitet
— John Barrymore
Es kommt nicht darauf an, wen man liebt – sondern wie man liebt! Eine edle Natur wird immer edel in der Liebe sein, eine gemeine immer gemein.
— Wilhelmine von Hillern
Wer irgendeine Art von Religion zur Stütze seiner Sittlichkeit bedarf, dessen Moralität ist nicht rein, denn diese muss ihrer Natur nach in sich selbst bestehen
— Karoline Friederike Louise M. von Günderrode
Durch Gewalt läßt sich niemand für die Tugend begeistern.
— Rahel Varnhagen von Ense
Reine Liebenswürdigkeit und echter guter Wille sind die höchsten menschlichen Eigenschaften, gegen welche alles tatkräftige Heldentum mit seinem Glanz und Ruhm zurücktritt.
— Rahel Varnhagen von Ense
Immer Gerechtigkeit für andere: Mut für uns selbst. Das sind zwei Tugenden, worin alle andern bestehen.
— Rahel Varnhagen von Ense
An sich arbeiten; klar machen, was uns verwirrt und drückt, und wären es die größten Schmerzen – heißt gut sein.
— Rahel Varnhagen von Ense
Was einzig die Geschicke unterscheidet, ist, ob die Seele heldenmütig ist oder nicht.
— Malwida von Meysenbug
Rechtschaffenheit wird (von allen) gelobt und stirbt doch vor Kälte
— Juvenal
Adel liegt einzig und allein in der Tugend.
— Juvenal
Die Dankbarkeit ist vor allen anderen Tugenden am meisten zu loben.
— Giovanni Boccaccio
Dankbarkeit ist die zarte Pflanze, Dank ihre edle Frucht.
— Graf Karl Christian Ernst von Bentzel-Sternau
Es gibt keine materielle Macht, welche den sittlichen Mächten über den Kopf wachsen könnte, ohne den Untergang ihrer selbst vorzubereiten.
— August Pauly
Würde ist ein goldener Sattel, die jedem Esel auferlegt werden kann.
— August Pauly
Unendlich ist die Welt und dennoch verschwindet ihre Unendlichkeit gegenüber dem Gehalt eines Kleinsten, wie es ein edler Mensch ist, über dessen Gewinn oder Verlust wir alle Sterne vergessen.
— August Pauly
Es gibt viele Leute in der Welt, aber wenig Menschen.
— August Pauly
Wo Herzensgüt' und Weisheit sich verbinden, da wird die Tugend festen Boden finden.
— Heinrich Martin
Tugend schärft nur ihre Kraft, wenn sie schweigend schafft.
— Heinrich Martin
Des regen Geistes unermüdlich Streben ist: über Irdisches sich zu erheben.
— Heinrich Martin
Die Not ist oft der Henker der Tugend. Öfter jedoch wird sie durch Üppigkeit und Reichtum zu Grunde gerichtet.
— Heinrich Martin
Männer mit großem reichen Innern können nie anders als äußerst einfach, ohne Kunst und Prunk auftreten, weil sie genau ihren und des nächsten Wert erkennen.
— Heinrich Martin
Die Dankbarkeit ist die Tugend der Nachwelt.
— Kuno Fischer
Jede Fröhlichkeit, jede Liebe, jede Zuneigung veredelt uns, ist selber Tugend, jedes Gefühl, wovon Hass die Wurzel ist, verschlechtert und erniedigt uns.
— Wilhelm Heinrich Wackenroder