
Wenn uns etwas fortgenommen wird, womit wir tief und wunderbar zusammenhängen, so ist viel von uns selber mit fortgenommen. Gott aber will, dass wir uns wiederfinden, reicher um alles Verlorene und vermehrt um jeden unendlichen Schmerz.
Bedeutung
Rilke beschreibt Verlust als etwas, das einen Teil des eigenen Selbst mit fortnimmt. Wer tief mit einem Menschen, einem Ort oder einer Lebensform verbunden war, verliert nicht nur etwas Äußeres, sondern auch ein Stück eigener Gestalt. Der zweite Teil sucht religiösen Trost: Gott will, dass der Mensch sich wiederfindet, verwandelt durch das Verlorene und den Schmerz. Das ist keine leichte Vertröstung, sondern eine anspruchsvolle Hoffnung, dass Trauer nicht auslöscht, sondern in veränderter Fülle weiterwirken kann.
Verwendung
Der Text eignet sich für Trauerkarten, Kondolenzbriefe, Gedenkfeiern oder seelsorgliche Begleitung, wenn ein tief religiöser und literarischer Ton gewünscht ist. Er passt besonders bei schweren Verlusten, sollte aber nicht an Menschen geschickt werden, die mit christlichem Trost oder der Vorstellung eines sinnhaften Schmerzes nichts anfangen können. Hinweis: Der Spruch ist sehr trauer- und religionssensibel. Er braucht einen behutsamen Rahmen und sollte nicht automatisch oder unpersönlich ausgespielt werden.
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Über Rainer Maria Rilke
Über den Autor
Österreichisch · 1875 - 1926
Rainer Maria Rilke (1875–1926) schrieb auf Deutsch und Französisch und vollendete mit den Duineser Elegien den Höhepunkt der Elegie in der deutschsprachigen Literatur.
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Mit dem Stunden-Buch (1905) und den Neuen Gedichten, deren Dinglyrik von der bildenden Kunst beeinflusst wurde, etablierte er sich als Lyriker der literarischen Moderne. Sein einziger Roman Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge zählt zu seinen bedeutendsten Prosawerken. Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke erlangte bereits zu seinen Lebzeiten Kultstatus.
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