
Es fällt niemanden ein, von einem Einzelnen zu verlangen, dass er glücklich sei, - heiratet aber einer, so ist man sehr erstaunt, wenn er es nicht ist!
Bedeutung
Rilke beobachtet eine gesellschaftliche Paradoxie mit scharfsinniger Ironie: Vom Einzelnen erwartet niemand ernsthaft, glücklich zu sein – Glück gilt als selten, persönlich, unverfügbar. Aber von Verheirateten erwartet man es selbstverständlich, als ob die Institution der Ehe eine Glücksgarantie enthielte. Diese unausgesprochene Erwartung ist irrational und setzt Paare unter einen Druck, den Unverheiratete nicht kennen. Rilke hält das mit leichtem Staunen fest, ohne Bitterkeit, aber mit unverkennbarer Ironie.
Verwendung
Als nachdenkliches Zitat bei Hochzeiten oder in Gesprächen über gesellschaftliche Eheerwartungen passend. Geeignet als ironischer Akzent in Hochzeitsreden, die den Druck gesellschaftlicher Vorstellungen thematisieren, oder als Reflexion über Glück als persönliche Aufgabe, nicht als automatische Folge des Heiratens. Der Ton sollte zum Anlass passen.
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Über Rainer Maria Rilke
Über den Autor
Österreichisch · 1875 - 1926
Rainer Maria Rilke (1875–1926) schrieb auf Deutsch und Französisch und vollendete mit den Duineser Elegien den Höhepunkt der Elegie in der deutschsprachigen Literatur.
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Mit dem Stunden-Buch (1905) und den Neuen Gedichten, deren Dinglyrik von der bildenden Kunst beeinflusst wurde, etablierte er sich als Lyriker der literarischen Moderne. Sein einziger Roman Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge zählt zu seinen bedeutendsten Prosawerken. Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke erlangte bereits zu seinen Lebzeiten Kultstatus.
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