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Sprüche über Verständnis

552 Sprüche — Seite 9

Wirkliches Verständnis beginnt dort, wo der andere nicht nur gehört, sondern innerlich mitgedacht wird. Es verlangt Geduld, Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, hinter Worte, Gesten und Urteile zu sehen. Deshalb zählt dieses Thema zu den feineren und zugleich schwierigeren Formen menschlicher Beziehung.

Seine Bedeutung zeigt sich besonders in einer Welt, in der vieles vorschnell eingeordnet und wenig wirklich begriffen wird. Die Sprüche zu diesem Thema erinnern daran, dass Verständnis nicht mit Zustimmung verwechselt werden darf, sondern eine Haltung des ernsthaften Erfassens und der menschlichen Offenheit meint.

  1. Die Welt verstehen heißt für einen Menschen: Sie auf das Menschliche zurückführen, ihr ein menschliches Siegel aufdrücken.

    Albert Camus

  2. Wir lernen die Menschen nicht kennen, wenn sie zu uns kommen, wir müssen zu ihnen gehen, um zu erfahren, wie es mit ihnen steht.

    Johann Wolfgang von Goethe

  3. Wir stimmen den anderen nur zu, wenn wir eine Gemeinsamkeit zwischen ihnen und uns empfinden.

    Jean de la Bruyère

  4. Zum Erzieher muss man eigentlich geboren sein wie zum Künstler.

    Karl Julius Weber

  5. Unbeteiligtsein führt dazu, der Dinge wahres Wesen zu erfassen; Ruhigsein - dem Fluss des Bewegten die rechte Richtung zu geben.

  6. Verstanden zu werden bedeutet heutzutage, ertappt zu sein.

    Oscar Wilde

  7. Auch ist die Gegenwart gar nicht verständlich ohne die Vergangenheit und ohne ein hohes Maß von Bildung.

    Novalis

  8. Wenn dich jemand "vollkommen versteht", sei gewiss, dass dich niemand vollkommener missversteht.

    Christian Morgenstern

  9. Mäkeln und Tadeln ist bei vielen der Trost für ungenügendes Verständnis."

    Anselm Feuerbach

  10. Originelle Formulierungen sind noch lange nicht originelle Einsichten.

    Ludwig Marcuse

  11. Es ist nicht schlimm, wenn man missverstanden wird, schlimmer ist es, wenn man verstanden wird.

    Donatien A. F. Marquis de Sade

  12. Ein Mann kann sich nie in den Seele einer Frau hineindenken.

    John Steinbeck

  13. Das Geheimnis, mit allen Menschen in Frieden zu leben, besteht in der Kunst, jeden seiner Individualität nach zu verstehen

    Friedrich Ludwig Jahn

  14. Damit ein Ereignis Größe habe, muss zweierlei zusammenkommen: der große Sinn derer, die es vollbringen, und der große Sinn derer, die es erleben.

    Richard Wagner

  15. Verworrene Ideen allein machen nicht den tiefen Philosophen; die verworrene Sprache gehört mit dazu; dann erst bleibt er unverstanden und bewundert.

    Emanuel Wertheimer

  16. Wer begreift, was er fühlt, kann für sich handeln.

    Else Pannek

  17. Wir diskutieren. Als wir noch miteinander sprachen, verstanden wir uns.

    Else Pannek

  18. Schwierigkeiten beim Namen zu nennen, verleiht ihnen Gestalt — lässt sie begreifen, macht sie greifbar.

    Else Pannek

  19. Toleranz ist möglich — im Freisein von Angst.

    Else Pannek

  20. Wer nicht für seine Missetaten geradestehen muss, begreift nicht, wo Straftaten beginnen.

    Else Pannek

  21. Fresser und Säufer verstehen nichts vom Essen und vom Trinken.

    Jean Anthelme Brillat-Savarin

  22. Das Vermögen, welches die Verbindung der Wahrheiten untereinander einsieht, heißt im eigentlichen Sinne die Vernunft.

    Gottfried Wilhelm Leibniz

  23. Die wortgewandte Rede funktioniert nicht von den Lippen zum Ohr, sondern von Herz zu Herz.

    William Jennings Bryan

  24. Ein Hahn wird auch mit vielen Worten nicht fett, für den Weisen aber reichen wenige Worte

    Benjamin Franklin

  25. Klar nennt man die Ideen, die dasselbe Maß an Verwirrung haben wie unser eigener Geist

    Marcel Proust

  26. Es schadet niemals, sich für alle Lebensabschnitte ein Stück Jugend zu bewahren, und es ist immer besser, im Alter jugendfrisch zu sein, als greisenhaft in jungen Tagen.

    Wilhelm Riehl

  27. Große Menschen sind allzu oft unbekannt oder, was noch schlimmer ist, unverstanden.

    Thomas Carlyle

  28. Kriege entstehen aus dem Scheitern, das Menschsein der Anderen zu verstehen.

    Dalai Lama

  29. Immer gewinnt man das rechte Maß zum Handeln, wenn man sich selbst in die Lage des anderen versetzt

  30. Der Anfang des rechten Lebens ist das rechte Hören.

    Plutarch

  31. Nicht hastig leben! Die Sachen zu verteilen wissen heißt, sie zu genießen verstehen.

    Baltasar Gracián y Morales

  32. Einer verständigen Frau Tugend heißt: ihrem Gatten nicht weh zu tun.

    Epicharmos

  33. Von Jugend auf gepflegte Herzensbeziehungen sind doch das Schönste, was das Leben hat.

    Theodor Fontane

  34. Verständnis ist nichts anderes als die durch die Sprache verursachte Wahrnehmung.

    Thomas Hobbes

  35. Bewahre deine Liebe zur Natur, denn das ist der richtige Weg zu immer besserem Kunstverständnis.

    Vincent van Gogh

  36. Das verbale Glatteis auf dem gebohnerten Flur der Vorstandsetagen lässt vor allem jene in eine Rutschpartie schliddern, die ihre Konversation nicht der Ebene anzupassen wussten.

    Christa Schyboll

  37. Man kann auf eine Art zuhören, die mehr wert ist als das Gefälligste, was man sagen kann.

    Charles Joseph Fürst von Ligne

  38. Wenn wir nur verstünden, dass die Grundauffassungen unserer Vorfahren den Gerichtshof für unser Leben bilden!

    Maurice Barrès

  39. In vielen Berufen sind die Kollegen die wirklichen Verwandten, sie fühlen sich untereinander weit mehr zu Hause als an dem Ort, den sie ihr Heim nennen, wo sie schlafen, essen und einen öden Sonntag v …

    Prentice Mulford

  40. Niemand ist anders von mir behandelt worden, als ich sein möchte, wenn ich dieselbe Krankheit bekäme

    Thomas Sydenham

  41. "Alte Erfahrungen" nennt man jene, die immer neu gemacht werden müssen.

    Otto Weiss

  42. Eine Bitte, die selten erhört wird: "Versetzen Sie sich doch in meine Lage!"

    Otto Weiss

  43. Wir können's oft nicht begreifen, dass Leute das tun, was wir an ihrer Stelle auch täten.

    Otto Weiss

  44. Überall, wo die Menschen eingeteilt werden in gute und böse, hat man die Menschen nicht verstanden.

    Heinrich Lhotzky

  45. Starke haben Zeit und sind in ihrer Zielsicherheit leicht zur Nachgiebigkeit geneigt

    Heinrich Lhotzky

  46. Es gibt kaum ein besseres Erkennungszeichen für Menschen als ihr Verhalten zu Kindern.

    Heinrich Lhotzky

  47. In dem heiligen Schweigen, in der großartigen Ruhe der Natur, liegt der höchste Trost für den, der ihre Sprache versteht.

    Fanny Lewald

  48. Wer die Liebe nicht versteht, begreift weder den Hass noch den Zorn.

    Fanny Lewald

  49. Das Tiefste und Heiligste des Herzens bleibt unausgesprochen und wird doch von dem anderen liebenden Herzen verstanden.

    Sophie Alberti

  50. Die Menschen sind oft unfähig, sich in den Zustand eines anderen zu versetzen

    Simone Weil

  51. Die Schmerzen und Kämpfe einer Seele kann auch nur eine verwandte Seele empfinden.

    Wilhelmine von Hillern

  52. Wen die Vorsehung einreihen will in die große Armee, die da kämpfen soll für Menschenwohl und Menschenrecht, dem brennt sie den Stempel des Unglücks in das Herz: denn nur wer selbst den Schmerz gefühl …

    Wilhelmine von Hillern

  53. Die Menschen verstehen einander nicht. Sie lieben sich zu ungleichen Stunden.

    Rahel Varnhagen von Ense

  54. Je mehr Einsicht, desto mehr Ein- und Zustimmung wird das Leben uns abgewinnen, wenn es auch noch mehr Arbeit fordert.

    Rahel Varnhagen von Ense

  55. Die eine Hälfte der Welt kann die Freuden der anderen nicht verstehen

    Jane Austen

  56. Um die Natur zu erkennen, muss man ihre Geschöpfe verstehen. Um ein Geschöpf zu verstehen, muss man in ihm den Bruder sehen.

    Manfred Kyber

  57. Die Selbstbeschränkung ist die Frucht der Selbsterkenntnis, die Form von deines Wesens vertrauterem Verständnis.

    Friedrich Julius Hammer

  58. Anschauungen sind wie Kleider ihrem Träger angemessen, weshalb auch kleine Leute die Anschauungen großer nicht tragen können.

    August Pauly

  59. Geschichte macht aus uns unverständigen Neulingen in der Welt tausendjährige Weise.

    August Pauly

  60. Vieles verstehen gleichgesinnte Menschen still, aber herrlicher ist es noch, wenn ein mit Empfindung schwer beladenes Wort des einen Seele dem andern zuträgt.

    August Pauly