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Sprüche über Seele

594 Sprüche — Seite 10

Was den Menschen im Innersten bewegt, lässt sich nur selten vollständig benennen und wird doch seit jeher mit dem Bild der Seele umschrieben. In ihr sammeln sich Sehnsucht, Verletzlichkeit, Tiefe und jene stille Wahrheit, die jenseits äußerer Rollen liegt. Deshalb wirkt dieses Thema zugleich geheimnisvoll und unmittelbar vertraut.

Ihre Sprache ist leiser als die des Verstandes und oft beständiger als flüchtige Stimmung. Die Sprüche zu diesem Thema geben inneren Regungen Form und machen sichtbar, wie sehr Trost, Einsamkeit, Würde und Hoffnung zum seelischen Leben eines Menschen gehören.

  1. Weil es unmöglich ist, äußerlich der zu sein, der du möchtest, werde innerlich zu dem, der du sein sollst

    Francesco Petrarca

  2. Gäbe es keine Politik, so hätte der Bürger bloß sein Innenleben, also nichts, was ihn ausfüllen könnte

    Karl Kraus

  3. Die klugen Menschen denken mit dem Geist, die Weisen mit der Seele.

    Hermann Stehr

  4. Es gibt kein Leiden des Körpers von dem die Seele nicht profitiert.

    George Meredith

  5. Ohne Seele wäre die Welt ein Haufen Kehricht.

    Hermann Stehr

  6. Was mit der Milch eingezogen wurde, geht erst mit der Seele wieder hinaus.

  7. Gesundheit ist der Sonnenschein der Seele.

    Edward Young

  8. Das erste sichere Kennzeichen einer gesunden Seele ist die Ruhe des Herzens und ein inwendig gefühltes Vergnügen.

    Edward Young

  9. Eine Seele ohne Gedanken muss, wie ein Gebäude ohne Einwohner, bald in Verfall geraten.

    Edward Young

  10. Wie die Sonne hilft dem Gesicht, So ist die Kunst der Seele Licht.

    Georg Rollenhagen

  11. Der unbedingte Unglaube im Punkte der Religion widerspricht dem natürlichen Gefühl des Menschen und versetzt seine Seele in einen trostlosen Zustand.

    Charles Alexis Henri Clérel de Tocqueville

  12. Die Menschenseele ist ein kleiner fliegender Samenstaub, der einen guten Boden sucht, um auch Charakter zu werden

    Bettina von Arnim

  13. Was ist notwendig? Notwendig sind die Dinge, von denen wir innerlich leben. Es sind die Dinge, die uns beim Gedanken an unsere Sterbestunde wichtig sind.

    Sebastian Faber

  14. Der Begriff der Unendlichkeit ist der Vernunft versagt, aber der der Unsterblichkeit der Seele eingeboren.

    Theodor Toeche-Mittler

  15. Mit dem Alter beginnen die Schwächen des Lebens; umso mehr muss die Seele ihnen standzuhalten bereit sein.

    Theodor Toeche-Mittler

  16. Die Wurzel der großen Ereignisse ist immer ein Charakterzug des Volkes und die Geschichte geht zurück auf die Psychologie.

    Hippolyte Taine

  17. Unser Gefühl selbst ist nichts anderes als eine innere Musik immer währender Schwingung der Lebensnerven.

    Johann Jakob Wilhelm Heinse

  18. Hoffnung ist das gefiederte Ding, das sich in der Seele niederlässt, und die Melodie ohne Worte singt und niemals aufhört.

    Emily Elizabeth Dickinson

  19. Man kann den Frühling im Jahre nicht festhalten, aber man kann jung bleiben in der Seele bis an sein Ende, wenn man die Liebe lebendig erhält in seinem Herzen für die Menschen, die der Liebe würdig …

    Fanny Lewald

  20. Die Tiefen der Menschenseele sind unergründlich, die Wandlungen eines Herzens rätselhaft und unberechenbar.

  21. Die Schmerzen und Kämpfe einer Seele kann auch nur eine verwandte Seele empfinden.

    Wilhelmine von Hillern

  22. Zwischen lachen und spielen werden die Seelen gesund.

  23. Das Äußere des Menschen ist der Text zu allem, was man über ihn sagen kann.

    Rahel Varnhagen von Ense

  24. Bei allem Misslingen hofft meine ewig närrische Seele doch immer das Unglaublichste. Wir lassen nicht vom Glück!

    Rahel Varnhagen von Ense

  25. Weißt du, warum wir hoffen? Wir können nicht ohne Bild leben. Ohne Hoffen haben wir kein Bild in der Seele; da ist nichts.

    Rahel Varnhagen von Ense

  26. Was einzig die Geschicke unterscheidet, ist, ob die Seele heldenmütig ist oder nicht.

    Malwida von Meysenbug

  27. Düfte sind wie die Seele der Blumen, man kann sie fühlen selbst im Reich der Schatten

    Joseph Joubert

  28. Traurigsein ist wohl etwas Natürliches. Es ist wohl ein Atemholen zur Freude, ein Vorbereiten der Seele dazu.

    Paula Modersohn-Becker

  29. Wie die Schere und der Wasserkrug des sorgsamen Gärtners den Baum in die Höhe treiben, so lassen die Tränen des vergangenen Jahres des Menschen Seele reifen.

  30. Tränen sind kein Zeichen der Schwäche. Sie reinigen die Seele von Schwermut und Pein.

  31. Ohne Liebe ist keine Kunst und Weisheit zu finden, nur durch die Liebe können wir zur Seele des Menschen sprechen und die Kunst und jede Seelensprache verstehen, sie mag in Bild, Ton oder Wort gesproc …

    Philipp Otto Runge

  32. Denn die Ewigkeit eines Kunstwerks ist doch nur der Zusammenhang mit der Seele des Künstlers, und durch den ist es ein Bild des ewigen Ursprungs seiner Seele

    Philipp Otto Runge

  33. Und befreit die Todesstunde Deines Wesens Kern – heimwärts in die ewige Heimat trägt dein Engel deinen Stern.

    Manfred Kyber

  34. Die moderne Zeit liefert uns tausend Bequemlichkeiten, aber keinen einzigen warmen Platz für die Seele.

    August Pauly

  35. Wir können uns nicht selbst mit Vorsatz überraschen. Aber in dem, was unsere eigene Seele uns aus dem unbekannten Dunkel ihres Arbeitsraumes überreicht, erleben wir dieselbe Überraschung, als ob ein …

    August Pauly

  36. Nur einmal im Leben weidet unsere Seele auf der lieblichen Himmelswiese ihrer Träume – in der Kindheit. Leitet sie darum leise in dieser einzigen Zeit, daß sie nicht dann schon das harte Geschirr fühl …

    August Pauly

  37. Vieles verstehen gleichgesinnte Menschen still, aber herrlicher ist es noch, wenn ein mit Empfindung schwer beladenes Wort des einen Seele dem andern zuträgt.

    August Pauly

  38. Es ist dem Verstand selber nicht wohl, wenn er ganz allein zurückgeblieben ist in der Seele eines Menschen und alles fortgegangen ist, was warm war.

    August Pauly

  39. Im Blick kommt die Seele ans Fenster.

    August Pauly

  40. Es ist das Gefühl, dass in diesem Weltmechanismus etwas Ewiglebendes enthalten sein muss, was sich in allen das Ganze erfassenden Menschenseelen zu der Vorstellung »Gott« gestaltet.

    August Pauly

  41. Was heißt Schaffen in der Poesie? Wenn dichterische Begeisterung die Seele mit der Fruchtbarkeit der Phantasie überschüttet.

    Heinrich Martin

  42. Nicht was du sprichst, sondern wie Du es sprichst, also am Akzent des Tones hören wir, wie Deine Seele gestimmt ist.

    Heinrich Martin

  43. Die Stille der Nacht oder des Waldes kann der Seele ein Hilfsmittel sein, in ihre eigenen Tiefen hineinzulauschen.

    Friedrich Lienhard

  44. Unser äußeres Leben mag herb sein – aber in unserm Innern ist gefangenes Licht.

    Friedrich Lienhard

  45. Die vornehme Seele hämmert den Schmerz zu Gold; der Schwächling nörgelt, schimpft oder verkümmert und kommt nicht drüber hinweg

    Friedrich Lienhard

  46. Nicht Seelen erziehen, nicht göttlich Ewiges nach menschlich kurzen Gedanken modeln sollt ihr, sondern Seelen erkennen. Ihr Gefängnis ist so durchsichtig.

    Maria Waser

  47. Nicht im Wirklichen und Greifbaren spielt sich das entscheidende Leben der Menschen ab, das Tiefste, woran der Sterbliche seine Seele bindet, ist Traum: So werden Glück und Unglück zu bloßen Namen.

    Jakob Wassermann

  48. Es ist nötig, dass wir den Schwerpunkt des Lebens in unser Inneres verlegen.

    Jakob Wassermann

  49. Es hängt von der Breite des Schicksals ab, wieviel unvergess- und unverwischbare Spuren es in der Seele hinterlässt.

    Jakob Wassermann

  50. Man besitzt nur die Seele, die sich uns gab, nicht die, die man sich nahm.

    Walter Calé

  51. Die Erziehung umfasst den ganzen, auch den körperlichen Menschen. Es ist gefährlich, die Seele zu üben und nicht zugleich den Leib.

    Friedrich Christoph Dahlmann

  52. Eine abgeklärte Seele bringt unserm Geschlechte mehr Segen als ein ganzes Dutzend aufgeklärter Köpfe.

    Georg Jacob F. P. H. Dechent

  53. Jeder schafft sich sein Eden nach dem Bedürfnis seiner Seele.

    Karl Detlef, Pseudon.v. Klara Bauer

  54. Das Leben wirft bald tiefe Schatten über unsere Seele, bald teilt es ihr Licht und Freude mit.

    Wilhelm Dilthey