Sprüche und Zitate von Otto Weiss
116 Zitate — Seite 6
Über den Autor
1849 - 1915
Otto Weiss (1849–1915) ist vor allem durch pointierte Sinnsprüche und Lebensbeobachtungen greifbar. Seine Texte betrachten Kränkungen, Glückwünsche, Selbsttäuschung und menschliche Vorsicht mit einer Mischung aus Skepsis und trockenem Witz. Darin geht es häufig um die kleinen empfindlichen Stellen des Menschen: verletzte Ehre, Angst vor unbequemer Wahrheit, soziale Höflichkeit und die verborgenen Motive hinter scheinbar einfachen Gesten.
Was den Laien oft vom Fachmann unterscheidet: er hat nicht gleich diesem die nötigen theoretischen Kenntnisse, um seine schiefen Urteile zu begründen.
So schwer fällt es vielen, zwei Dinge gleichzeitig zu tun! Zum Beispiel: lesen und denken.
Bisweilen macht sich das Schicksal über einen armen Teufel lustig, und lässt ihn im Greisenalter reich werden.
Unglücklich will manche Frau um jeden Preis scheinen und bedauert man sie dann, so ist sie ganz glücklich!
Mancher unterwirft sich, ohne zu kämpfen, und dadurch siegt er.
Mancher gesteht alles indem er leugnet, noch ehe man ihn beschuldigt.
Die allerbesten Gesetze eines Landes zeigen beleidigendes Misstrauen gegen seine Bewohner.
Alle Menschen sind Verkäufer – alle Menschen sind Kunden.
Nichts verbindet sich leichter als eine vernünftige Theorie mit einer unvernünftigen Praxis.
Gar mancher schlägt sich mit einem Mann herum und ahnt nicht, dass er sich mit dessen Frau herumschlägt.
Bei manchen wissenschaftlichen Untersuchungen ist alles interessant, nur nicht das Ergebnis.
Dem feinfühligen Weib ist's leichter einzuwilligen als "Ja" zu sagen.
Zur Lehre der Sinneswahrnehmungen: Kenner der Gebärdensprache hören auch mit den Augen.
Bringt jemand vor oder gar nach dem Essen ein Lied schlecht zu Gehör, dann beurteile man ihn ebenso falsch, wie er gesungen hat.
Die Vertrauensseligen der Gegenwart sind die Misstrauischen der Zukunft.
Wirklich zu arbeiten ist manchem nur in Mußestunden vergönnt.