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Sprüche und Zitate von Otto Weiss

116 Zitate — Seite 2

Über den Autor

1849 - 1915

Otto Weiss (1849–1915) ist vor allem durch pointierte Sinnsprüche und Lebensbeobachtungen greifbar. Seine Texte betrachten Kränkungen, Glückwünsche, Selbsttäuschung und menschliche Vorsicht mit einer Mischung aus Skepsis und trockenem Witz. Darin geht es häufig um die kleinen empfindlichen Stellen des Menschen: verletzte Ehre, Angst vor unbequemer Wahrheit, soziale Höflichkeit und die verborgenen Motive hinter scheinbar einfachen Gesten.

  1. Unter den Moralisten, die uns alle Wege zum Glück zeigen gibt es tief unglückliche.

  2. Leidenschaft ist konsequenter als Vernunft.

  3. Stiller Wunsch vieler Männer: "Wollte meine Frau mich nur, wenigstens zeitweise, als Fremden behandeln!"

  4. Der Ruhm ist ein brennender Ofen: man muss ihn immer wieder heizen, soll er nicht kalt werden

  5. Sehr scharf wird da und dort das Strebertum verurteilt, zumal von Strebern.

  6. Der Ton der Überlegenheit muss oft sie selbst ersetzen.

  7. Kunst, die nicht dem Leben entspringt, ist Künstelei.

  8. Gewisse Wünsche darf man vor jedem aussprechen, nur nicht vor dem, der sie erfüllen könnte.

  9. Im Streit, da kommt mancher immer wieder auf das zurück, wovon er durchaus nicht sprechen wollte.

  10. Entsetzt erkennt mancher Künstler eines Tages sein verfehltes Leben: Statt wohlhabend, ist er berühmt geworden.

  11. Gegenliebe zu finden, das ist ein Glück, bei dem man viel Pech haben kann!

  12. Durch besondere Protektion erhielt schon mancher eine überaus günstige Gelegenheit, sich öffentlich zu blamieren.

  13. Dank fordern für längst erwiesene Dienste? Erpressung!

  14. Oft ist bei Konflikten der eine Teil formell im Recht, der andere bloß tatsächlich.

  15. So nahe ist man gelegentlich daran, etwas Vernünftiges zu tun! Aber man überlegt reiflich, und unterläßt es.

  16. Manchmal – so wird von uns verlangt – sollen wir aus der Ärmlichkeit des Gebotenen eine möglichst reiche Auswahl treffen.

  17. Von den allerbesten Literaturwerken ist die Mehrzahl berühmt, die Minderzahl bekannt.

  18. Wer hätt' es nicht schon auf der Straße gesehn, wie eine Frau einem Mann, der hinter ihr ging, langsam nachlief!

  19. Solche, die sich niemand aufdrängen, nennt man nicht etwa bescheiden, sondern hochmütig.

  20. Mehr Schriftsteller, als man glaubt, müssen das schreiben, was Frau und Kinder ihnen in die Feder diktieren.

  21. Warum, so fragte ich mich schon oft, verlieben sich so viele Mädchen in jene Manieren eines Mannes, die er in der Ehe ablegen wird.

  22. Ein Schauspieler kann sich im Ton seiner Rolle so vergreifen, dass er Beifallsstürme entfesselt.

  23. Eine unerschöpfliche Quelle menschlichen Vergnügens ist das menschliche Missvergnügen.

  24. Wer hätte es nicht schon erfahren, wie sehr man sich erleichtert fühlen kann durch eine vertrauliche Aussprache, die man nachher bereut.

  25. Die meisten Verleger, Bilderhändler und Theateragenten haben eine eigene Ästhetik, die der Finanzwissenschaft sehr ähnlich sieht.

  26. Zu den gewandtesten Advokaten dieser Welt gehört das Gewissen.

  27. Wohl fühlt sich mancher allen Strapazen seines Berufs, doch nicht allen Strapazen seiner Muße gewachsen.

  28. Gewisse Leute fühlen sich überall gedemütigt, wo sie nicht frech sein dürfen.

  29. Wohl jeder Mann wird mir beistimmen, wenn ich behaupte: 's ist leichter, eine Frau anzubeten, als sich mit ihr zu vertragen.

  30. Eine Bitte, die selten erhört wird: "Versetzen Sie sich doch in meine Lage!"

  31. Aus Furcht vor übler Nachrede unterbleibt manch gute Handlung.

  32. Seien wir froh, dass wenigstens diese Dinge nicht der Mode unterliegen: Lieben, Hassen, Lachen, Weinen.

  33. Das Unglück von Tausenden rührt uns weniger als das Unglück eines einzigen.

  34. Zu den schlechtesten Logikern gehören Furcht und Hoffnung.

  35. Es gibt eine Nüchternheit, die besonders traurig ist: jene, der kein Rausch vorherging.

  36. Wir können's oft nicht begreifen, dass Leute das tun, was wir an ihrer Stelle auch täten.

  37. Wie gut man's hat, ist schwerer zu erkennen, als wie gut man's hatte.

  38. Das Leben ist ein Gemälde – um so schöner, je ungenauer man es betrachtet.

  39. Es gibt ein unbeschränktes Vertrauen, dessen Grenzen genau festzustellen sind.

  40. Ein eigenes Unglück hat manches Mädchen: Sie wurde von ihrem Mann statt verlassen geheiratet.

  41. Was den Laien oft vom Fachmann unterscheidet: er hat nicht gleich diesem die nötigen theoretischen Kenntnisse, um seine schiefen Urteile zu begründen.

  42. So schwer fällt es vielen, zwei Dinge gleichzeitig zu tun! Zum Beispiel: lesen und denken.

  43. Bisweilen macht sich das Schicksal über einen armen Teufel lustig, und lässt ihn im Greisenalter reich werden.

  44. Unglücklich will manche Frau um jeden Preis scheinen und bedauert man sie dann, so ist sie ganz glücklich!

  45. Mancher unterwirft sich, ohne zu kämpfen, und dadurch siegt er.

  46. Mancher gesteht alles indem er leugnet, noch ehe man ihn beschuldigt.

  47. Die allerbesten Gesetze eines Landes zeigen beleidigendes Misstrauen gegen seine Bewohner.

  48. Alle Menschen sind Verkäufer – alle Menschen sind Kunden.

  49. Nichts verbindet sich leichter als eine vernünftige Theorie mit einer unvernünftigen Praxis.

  50. Gar mancher schlägt sich mit einem Mann herum und ahnt nicht, dass er sich mit dessen Frau herumschlägt.

  51. Bei manchen wissenschaftlichen Untersuchungen ist alles interessant, nur nicht das Ergebnis.

  52. Dem feinfühligen Weib ist's leichter einzuwilligen als "Ja" zu sagen.

  53. Zur Lehre der Sinneswahrnehmungen: Kenner der Gebärdensprache hören auch mit den Augen.

  54. Bringt jemand vor oder gar nach dem Essen ein Lied schlecht zu Gehör, dann beurteile man ihn ebenso falsch, wie er gesungen hat.

  55. Die Vertrauensseligen der Gegenwart sind die Misstrauischen der Zukunft.

  56. Wirklich zu arbeiten ist manchem nur in Mußestunden vergönnt.