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Sprüche über Irrtum

293 Sprüche — Seite 5

Was für wahr gehalten wird, erweist sich nicht selten später als trügerisch oder unvollständig. Ein Irrtum gehört deshalb zu den ernüchterndsten, aber auch lehrreichsten Erfahrungen des Denkens, weil er Selbstgewissheit erschüttert und den Blick schärfen kann. Darin liegt seine unbequeme, oft heilsame Kraft.

Nicht jeder Fehler ist bloß ein Makel, manche Irrtümer öffnen erst den Weg zu größerer Klarheit. Wer sie erkennt, gewinnt Bescheidenheit und Urteilskraft, weil Einsicht meist dort reift, wo falsche Sicherheiten aufgegeben werden müssen.

  1. Mancher Gedanke fällt um wie ein Leichnam, wenn man ihn mit dem Leben konfrontiert.

    Christian Morgenstern

  2. Ein Grundirrtum der Eltern ist, dass sie die Kinder als ihr Eigentum, ihre Leib- und Seeleneigenen betrachten, von denen und an denen zu zehren ihr Recht ist.

    Hedwig Dohm

  3. Der Begriff Herz ist im Leben schlecht angesehen, indem man darunter das Weiche, Weibische, Sentimentale versteht und nicht das durch den Verstand richtig geleitete Gefühl.

    Ida Hahn - Hahn

  4. Die Natur ist des Irrtums unfähig.

    Thomas Hobbes

  5. Mag der Mensch noch so oft in die Irre gehen, den Weg zurück zum Herzen der Mutter kann er nicht verfehlen.

    Anton Wildgans

  6. Wer Autorität haben will, muss bescheiden sein und sein Unrecht unverhohlen einzugestehen wissen.

    Richard Rothe

  7. Es ist den Menschen allen eins gemeinsam: fehlzugehen.

    Sophokles

  8. Weil die meisten Leute noch immer die falschen Dinge glauben, warten die richtigen Ereignisse noch immer auf ihren Kopfsprung ins Leben.

    Christa Schyboll

  9. Es ist ein gewöhnlicher Irrtum in der Politik, Mittel und Zweck zu verwechseln.

    Thomas Babington Macaulay

  10. In Wahrheit sind wir alle Staub und Schatten, in Wahrheit ist die Gierde blind gefräßig, in Wahrheit trügerisch ist jedes Hoffen

    Francesco Petrarca

  11. Wenn man einen falschen Weg einschlägt, verirrt man sich um so mehr, je schneller man geht

    Denis Diderot

  12. Der Irrtum ist nicht Mangel an Geist, sondern verkehrter Geist. Daher der Irrtum höchst geistreich und doch Irrtum sein kann

    Carl Friedrich von Rumohr

  13. Wie oft rufen falsch gebrauchte Wörter irreführende Gedanken hervor.

    Herbert Spencer

  14. "Alte Erfahrungen" nennt man jene, die immer neu gemacht werden müssen.

    Otto Weiss

  15. Die Natur verlieh allen Menschen die Gabe, sich in wichtigen Dingen zu verrechnen.

    Otto Weiss

  16. Unbedingt traut nur der seiner Menschenkenntnis, der keine hat.

    Otto Weiss

  17. Entsetzt erkennt mancher Künstler eines Tages sein verfehltes Leben: Statt wohlhabend, ist er berühmt geworden.

    Otto Weiss

  18. Was den Laien oft vom Fachmann unterscheidet: er hat nicht gleich diesem die nötigen theoretischen Kenntnisse, um seine schiefen Urteile zu begründen.

    Otto Weiss

  19. Wenn du dich geirrt hast, so schäme dich nicht, es besser zu machen.

    Bernhard Freidank

  20. Eigentum ist eine Falle: was wir zu besitzen glauben, besitzt tatsächlich uns.

    Alphonse Karr

  21. Frauen ahnen alles. Sie irren nur, wenn sie denken.

    Alphonse Karr

  22. Wenn einer im Delirium tremens immer Ratten sieht, ist er deshalb noch lange kein Naturforscher

    Gilbert Keith Chesterton

  23. Ein Mann kann oft versagen, aber er wird erst zum Versager, wenn er beginnt, andere dafür verantwortlich zu machen.

    John Burroughs

  24. Der Erfolg macht einen zum König, der Misserfolg zum Räuber

  25. Die Wissenschaft besteht nur aus Irrtümern. Aber diese muss man begehen. Es sind die Schritte zur Wahrheit.

    Jules Verne

  26. Unsere Fehler bringen uns nicht so sehr ins Verderben, wie unser Widerstreben, sie zu verbessern, wenn wir sie entdeckt haben.

    James Hudson Taylor

  27. Wer ohne üblen Willen die Fehler und Irrtümer seiner Nebenmenschen beobachtet, lernt dabei, wenn er will, seine eigenen Fehler und Irrtümer erkennen; er hat dann die Pflicht, ernst an ihre Überwindung …

    Fanny Lewald

  28. Sogar verständige Menschen bekennen lieber ihre Irrtümer und Fehler als ihre Armut, selbst wenn sie unverschuldet ist.

    Fanny Lewald

  29. Offensive in den eigenen Antrieben und Defensive gegenüber anderen Anstößen führen am schnellsten zum Ziel, aber vielleicht zum falschen.

    Henriette Wilhelmine Hanke

  30. Die Sünde ist keine Entfernung. Sie ist eine falsche Blickrichtung.

    Simone Weil

  31. Es ist ein gewagtes Ding, die Vorsehung eines andern sein zu wollen, denn alle menschliche Berechnung trügt und die beste Absicht ist nicht Bürge für den Ausgang.

    Wilhelmine von Hillern

  32. Man kann auf dem richtigen Weg sein, aber nicht der richtige Mensch für diesen Weg.

  33. Irrtümer schwimmen wie Stroh auf der Oberfläche. Wer nach Perlen sucht, muss tief tauchen.

    John Dryden

  34. Es soll bloß keiner sagen, Ehen würden im Himmel geschlossen. Die Götter würden so eine große Ungerechtigkeit nicht begehen.

    Margarete von Valois

  35. Die Polizei sieht den Schuldigen durch die Finger; die Unschuldigen aber verdächtigt sie.

    Juvenal

  36. Das Geld macht keine Narren. Es enthüllt sie nur.

    Kin Hubbard

  37. Viele Leute verwechseln schlechtes Management mit Schicksal.

    Kin Hubbard

  38. Jede Zeit erkennt die Fehler ihrer Vorgängerin wie jeder Narr die Narrheit eines anderen, aber nicht seine eigene.

    August Pauly

  39. Was alles die Menschen als Zeichen von Vornehmheit ansehen, das macht sie gerade zum Pöbel.

    August Pauly

  40. Wir irren alle und leben in Irrtümern und können sie nicht vermeiden. Was wir aber können, das ist, sie aufzusuchen und inne zu werden und sie dadurch in unsere besten Lehrer zu verwandeln.

    August Pauly

  41. Die Verteidiger schwerer Irrtümer erinnern an die Soldaten der Termiten: Sie haben große Beißzangen und sind blind.

    August Pauly

  42. Irrtum und Wahrheit breiten sich in der Wissenschaft gleich schnell aus, werden gleich willig aufgenommen und gleich stark festgehalten, aber nicht gleich lang.

    August Pauly

  43. Was wir so oft »Liebe« nennen, ist doch nichts weiter als ein kurzer Sinnenrausch. Ist er in seiner Sonderheit verflüchtigt, so tritt größtenteils herbe Unbefriedigung und nicht selten Trennung ein.

    Heinrich Martin

  44. Was wir oft beim Manne als Mut bewundern, ist größtenteils nichts weiter, als Wallung von Furcht und Stolz, die nach kurzer Zeit wie Schaum zusammensinkt.

    Heinrich Martin

  45. Der Irrtum ist sehr schwer zu tragen; ihn los zu werden macht uns Plagen.

    Heinrich Martin

  46. Wo und wie sollen wir die Wahrheit finden, wenn wir sie nicht aus der Quelle des Irrtums schöpfen?

    Heinrich Martin

  47. Wenn einer, was das Leben mit sich bringt nicht zu tragen weiss, nennt er das Missgeschick, was doch sein Charakter verschuldet hat.

    Menander

  48. Die Gespenster hausen nicht in alten Schlössern, sie stecken in uns selbst.

    Luigi Pirandello

  49. Erfahrung trügt so oft, weil niemals zwei Fälle ganz gleich gelagert sind.

    Rosalie Perles

  50. Man verzählt sich stets, wenn man mit Angst und Hoffnung rechnet.

    Francoise de Maintenon

  51. Unser Glaube an den geistigen Vorzug der reinen, ungemischten Bevölkerung ist ein wertloser Aberglaube. Schon Attika und Rom widerlegen ihn.

    Friedrich Christoph Dahlmann

  52. Die meisten Schriften über Kunst sind von Leuten verfasst, die keine Künstler sind: daher alle die falschen Begriffe und Urteile.

    Ferdinand Victor Eugene Delacroix

  53. Das Alter kommt plötzlich und nicht nach und nach, wie man immer sagt.

    Emily Elizabeth Dickinson