
Sprich nie Böses von einem Menschen, wenn du es nicht gewiß weißt! Und wenn du es gewiß weißt, so frage dich: Warum erzähle ich es.
Bedeutung
Lavater formuliert einen zweistufigen Ratschlag: Erstens: Sprich Böses nur aus, wenn du es wirklich weißt. Zweitens: Wenn du es weißt, frage dich, warum du es erzählen musst. Die zweite Frage ist die wichtigere – sie macht das Motiv des Redens sichtbar. Lavater macht aus Klatsch eine Gewissensfrage. Selbst wenn eine negative Aussage stimmt, bleibt zu prüfen, ob das Erzählen nötig, hilfreich oder nur schädlich ist. Der Bezug zu Zusammenleben bleibt dadurch konkret, weil der Gedanke nicht allgemein belehrt, sondern eine erkennbare Situation, Spannung oder Pointe aus dem Wortlaut entfaltet.
Verwendung
Als Einladung zur Reflexion über Klatsch und Gerüchte. Passend als Mahnung gegen unnötige negative Rede über andere oder als Argument für bewusste Kommunikation. Passend ist der Spruch für Konfliktklärung, Schule, Nachbarschaft, Teamkultur oder Gespräche über Klatsch. Er eignet sich, wenn Wahrheit nicht automatisch als Erlaubnis zum Weitererzählen verstanden werden soll.
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Über Johann Kaspar Lavater
Über den Autor
Philosoph und Schriftsteller · Schweizerisch · 1741 - 1801
Johann Kaspar Lavater (1741–1801) war ein Zürcher Pfarrer und Philosoph, der als Hauptvertreter der Physiognomik den Charakter eines Menschen aus seinen Gesichtszügen zu deuten versuchte.
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Lavater wirkte in der Zeit der Aufklärung und verband theologisches Denken mit dem Versuch, Persönlichkeit und Seele durch die äußere Erscheinung des Menschen wissenschaftlich zu erfassen. Seine Werke zur Physiognomik fanden in ganz Europa Beachtung und machten ihn zu einer der einflussreichsten Figuren des späten 18. Jahrhunderts. Er lebte und starb in Zürich, wo er auch als reformierter Geistlicher tätig war.

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