Sprüche über Weisheit
1395 Sprüche — Seite 15
Mehr als Wissen, Lebenserfahrung oder geistige Brillanz ist Weisheit die Fähigkeit, das Wesentliche im rechten Zusammenhang zu sehen. Sie verbindet Urteil mit Milde, Klarheit mit Menschlichkeit und behält auch im Widersprüchlichen einen weiten Blick. Darum zählt dieses Thema zu den höchsten Formen innerer Reife.
Ihre Würde liegt darin, dass sie nicht nur erkennt, sondern das Erkannte auch lebensdienlich einzuordnen weiß. Die Sprüche zu diesem Thema zeigen Weisheit als eine Haltung, in der Tiefe und Güte, Ernst und heitere Einsicht einander nicht ausschließen.
Gedeiht die Schnecke und die Nessel, füllen sich die Speicher und Fässel.
Wenn d'Apfelbäum' blüh'n, soll der Ofen glüh'n.
Auf großen Raum pflanz' einen Baum und pflege sein, er bringt dir's ein.
Blüh'n die Disteln reich und voll, ein schöner Herbst dir blühen soll.
Blüte schnell und ohne Regen, verspricht beim Obste großen Segen.
Wenn der Flieder langsam verblüht, die Ernte sich lang hinzieht.
Nun fängt das Laub zu stehen an, die Vögel haben das Legen getan.
Blüht der Stock in vollem Licht, große Beeren er verspricht.
Im Hunger frißt der Teufel Fliegen.
Ein Vielfraß wird nicht geboren, sondern erzogen.
Gott gibt Wasser und Wein, aber er schenkt nicht selber ein.
Der Winter bringt zweierlei auf einmal: weiße Tage und schwarze Nächte.
Es ist besser, einen Bären loslassen als einen Bären anbinden.
Den Esel erkennt man bei den Ohren, am Angesicht den Mohren und bei den Worten den Toren.
Wer den Fuchs mit Füchsen fangen will, bedarf wohl guter Witze viel.
Wenn Gott ein Land strafen will, so nimmt er den Herren die Weisheit.
Gelehrte Hasen fängt man im Schulgarn.
Wer weiß, wo der Hase läuft, sagte jener und legte das Garn auf dem Dachse aus.
Sieh auf die Hühner und nicht auf die Nester.
So man nicht Kauzen hat, muss man mit Eulen beizen.
Viel Kreuzer machen den Gulden.
Die Kuh milcht durchs Maul.
Auf ein ungezäumt Pferd gehört ein alter Reiter.
Das Pferd ist oft klüger als sein Reiter.
Wer weiter will als sein Pferd, der sitze ab und gehe zu Fuß.
Wer mehr hinter als vor die Rosse legt, wird nicht lange fahren.
Nichts kommt unter den Leuten mehr herum als alte Rosse und junge Weiber.
Wer ein Roß reitet, erkennt seine Art.
Jede Sau hat ihren Martinstag.
Man achtet nicht, was die Sau auch schreit.
Die Sau muss Haar lassen.
Es ist nicht not, dass man die Sau schere, weil man sie brühen und sengen kann.
Wenn man eine Sau auch in Gold kleidete, so legte sie sich doch in den Kot.
Wenn man die Sau kitzelt, so legt sie sich in den Dreck.
Sattel eine Sau, es wird kein Zelter daraus.
Die Sau legt sich nach der Schwemme wieder in den Kot.
Der faulsten Sau gehört allweg der größte Dreck.
Die Sau gibt nicht Wolle wie ein Schaf.
Man verklagt keine Sau, die einen besudelt.
Die Sau weiß nicht, wovon sie fett wird.
Der fetten Sau schmiert man nicht den Balg.
Das Beste am Schweinskopf ist - die Sau.
Es ist eine böse Sau, die ihre eigenen Ferkel frißt.
Es stirbt keine Sau ob einem unsauberen Troge.
Wer sich zum Schafe macht, den fressen die Wölfe.
Sparsamkeit ist der Stein der Weisen.
— Thomas Fuller
Ich ruf euch eure Abkunft ins Gewissen: Ihr seid nicht da, zu leben gleich den Kühen, doch zum Verfolg von Tüchtigkeit und Wissen.
— Dante Alighieri
Es gibt nichts Wunderbareres, nichts, was die Weisheit des Schöpfers bei den Verständigen heller bezeugt, als die Bewegung der fünf Planeten.
— Johannes Kepler
Ich habe stets beobachtet, dass man, um Erfolg zu haben in der Welt, närrisch scheinen oder weise sein muss
— Charles-Louis de Montesquieu
Der Weltmann steigt empor, und der Pedant bleibt sitzen: Die Sitten können mehr als die Gelehrtheit nützen.
— Magnus Gottfried Lichtwer
Ein Tor, der kein Wort sagt, unterscheidet sich nicht von einem Gelehrten, der still ist.
— Jean-Baptiste Molière
Wer einen Gast nicht nötigt, wird ihn noch beleidigen.
Der Alte altert, aber der Junge verjüngt sich nicht.
Tabak ohne Kaffee ist wie ein Fürst ohne Pelz.
Erkenne, suche, lieb' und ehre, was gut und schön ist, und vermehre nach Möglichkeit mit weiser Wahl des Guten und des Schönen Zahl! Das ist die ganze Sittenlehre.
— Johann Wilhelm Ludwig Gleim
Wo eine Frau am Ort, da ist die Ruhe fort.
Der eine liebt den Herrn Pfarrer, der andere seine Köchin.
Alter macht weiß, nicht weise
Ein alter Panter kehrt nicht zur gleichen Stelle zurück.
Gold wächst nicht auf Bäumen.