
Die Selbstbezichtigung ist auch eine Art Luxus. Wenn wir uns selbst die Schuld geben, glauben wir, niemand sonst habe das Recht, uns die Schuld zu geben.
Bedeutung
Oscar Wilde entlarvt Selbstanklage als raffinierte Form der Selbstbehauptung. Wer sich selbst die Schuld gibt, kann damit anderen scheinbar das Recht nehmen, Kritik zu üben. Das Wort Luxus macht die Pointe scharf: Selbstbezichtigung wirkt demütig, kann aber zugleich Kontrolle über das Urteil behalten. Der Spruch zeigt, wie Schuldgefühl, Eitelkeit und Abwehr ineinandergreifen können, selbst wenn jemand äußerlich reumütig erscheint und Kritik vorwegnimmt, bevor andere sprechen.
Verwendung
Das Zitat passt zu psychologischen Essays, Gesprächen über Kritikfähigkeit, literarischen Analysen oder ironischen Kommentaren nach übertriebener Selbstanklage. Es sollte dort stehen, wo Schuld nicht verharmlost, sondern das taktische Moment mancher Selbstkritik sichtbar gemacht werden soll, etwa nach öffentlicher Reue.
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Über Oscar Wilde
Über den Autor
Schriftsteller · Irisch · 1854 - 1900
Oscar Wilde (1854–1900) war ein irischer Schriftsteller, dessen geistreiche Dramen und sein einziger Roman „Das Bildnis des Dorian Gray" ihn im viktorianischen London berühmt machten.
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1895 wurde Wilde wegen Homosexualität zu zwei Jahren Zuchthaus mit Zwangsarbeit verurteilt – ein Urteil, das seine Gesundheit dauerhaft zerstörte. Nach der Entlassung lebte er verarmt im Exil in Paris, wo er mit nur 46 Jahren starb. Als Lyriker, Dramatiker, Romanautor und Kritiker hinterließ er ein Werk, das Witz und Gesellschaftskritik meisterhaft vereint.
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