
Nach dem ersten Glas siehst Du die Dinge wie Du wünscht, dass sie wären. Nach dem zweiten, siehst Du die Dinge, wie sie nicht sind. Zum Schluss siehst Du die Dinge, wie sie wirklich sind, und dies ist das schrecklichste auf der Welt.“
Bedeutung
Wilde beschreibt drei Wahrnehmungsstufen beim Trinken mit bitterer Ironie: Der erste Schritt ist Wunschdenken, der zweite Verzerrung, der dritte – und schrecklichste – die ungeschminkte Realität. Das ist keine Warnung vor Alkohol, sondern ein philosophischer Witz: Nüchternheit ist erträglich, Wunschdenken schön, die Wahrheit das Härteste. Der Satz gewinnt Profil, weil er eine klare innere Bewegung beschreibt: weg von bloßer Behauptung, hin zu einer Haltung, die im Alltag geprüft werden kann. Dadurch bleibt die Aussage greifbar und nicht nur allgemein klug.
Verwendung
Geeignet ist das Zitat höchstens für literarischen Barhumor, Texte über Rausch, Wahrnehmung und Selbsttäuschung oder sehr erwachsene, ironische Kontexte. Für Feiern, Jugendseiten oder automatische Empfehlungen ist es ungeeignet, weil Alkoholkonsum als Wahrnehmungsspiel zugespitzt wird. Heute braucht der Spruch Distanz, weil Alkoholhumor schnell verharmlosend oder für sensible Kontexte unpassend wirken kann, und nicht unkommentiert empfohlen werden sollte.
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Über Oscar Wilde
Über den Autor
Schriftsteller · Irisch · 1854 - 1900
Oscar Wilde (1854–1900) war ein irischer Schriftsteller, dessen geistreiche Dramen und sein einziger Roman „Das Bildnis des Dorian Gray" ihn im viktorianischen London berühmt machten.
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1895 wurde Wilde wegen Homosexualität zu zwei Jahren Zuchthaus mit Zwangsarbeit verurteilt – ein Urteil, das seine Gesundheit dauerhaft zerstörte. Nach der Entlassung lebte er verarmt im Exil in Paris, wo er mit nur 46 Jahren starb. Als Lyriker, Dramatiker, Romanautor und Kritiker hinterließ er ein Werk, das Witz und Gesellschaftskritik meisterhaft vereint.
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